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Dienstag, 20. Juli 2010

Afghanistan-Konferenz: Wunschkonzert in Kabul

Mission gescheitert. Der Westen zieht ab und die Taliban übernehmen wieder die Kontrolle.

Afghanistan-Konferenz
Wunschkonzert in Kabul

Ein Kommentar von Matthias Gebauer, Kabul

Die Nato-Außenminister geben sich auf der Afghanistan-Konferenz in Kabul Illusionen hin: Angeblich wird die Korruption endlich bekämpft, die Regierung arbeitet solide, der Abzug erfolgt 2014. Doch die Realität sieht anders aus - Nutznießer ist am Ende Präsident Karzai, der seine Macht betonieren will.

Von Afghanistan haben die rund 70 Spitzenpolitiker bei ihrer Anreise zum Außenministerium nicht viel gesehen. Mit ihren Delegationskonvois - angeführt von martialischen Panzerwagen - rasen Uno-Chef Ban Ki Moon, Hillary Clinton, Guido Westerwelle und Co. die rund vier Kilometer vom Flughafen zum Ministerium - durch ein menschenleeres Kabul. Das Gebäude gleicht einem Bunker, am Eingang stehen ein paar Dutzend Mädchen und Jungen mit bunten Fahnen. Eine Minute später verschwinden die Chefdiplomaten im prunkvollen Festsaal.

Die hektische Anreise ohne Blick für Stadt und Land wirkt wie ein Symbol für die Konferenz, auf der so große Erwartungen lasten. Zum ersten Mal tagen die Alliierten direkt im Krisengebiet selbst. Doch die Realität im Sorgenland bleibt ausgeblendet. Am Konferenztisch - übrigens eine Spende aus Deutschland - soll nicht mehr diskutiert oder analysiert werden. Es geht darum, alle auf das gemeinsame Ziel einzuschwören.

Konferenz als Wunschkonzert

Nato und verbündete Truppensteller wollen aus Afghanistan abziehen - also muss die Realität anders dargestellt oder gar ausgeblendet werden, damit der baldige Abzug plausibel und möglich scheint.

Folglich mutierte die Konferenz zu einer Art Wunschkonzert - für beide Seiten. Gegenseitig versicherte man sich, dass man das gemeinsame Ziel erreichen kann.

Bis 2014 sollen die Afghanen die Sicherheitsverantwortung für alle Regionen in ihrem krisengeschüttelten Land übernommen haben. Beginnen soll dieser Transfer in ausgewählten Bezirken schon im kommenden Jahr - das zumindest betonen die Minister in Kabul immer wieder. 2011 soll die Kontrolle von den hochgerüsteten spezialisierten Nato-Truppen auf die schlecht ausgebildete Afghanische Nationalarmee (ANA) übergehen. Dabei künden die Berichte der US-Armee, die seit Jahren die ANA in großem Stil ausbildet, fast nur von Problemen statt von Erfolgen. Und die meisten Nationen haben mit ihren Trainingsprogrammen noch gar nicht begonnen.

Doch Scheitern ist - wie so oft bei der Nato - schlicht keine Option. Mit einer solchen Haltung ergibt die Konferenz keinen Sinn.

Karzai will versöhnen, die Taliban höhnen

Dann Auftritt Karzai: In einer schier endlosen Rede verspricht der Präsident der Weltgemeinschaft das, was er schon Dutzende Male angekündigt hat:

* Ja, er werde umgehend gegen die Korruption vorgehen.
* Ja, er werde umgehend seine völlig marode Regierung modernisieren, sie solle nicht mehr das Land durch Inkompetenz und Vetternwirtschaft ruinieren.
* Und natürlich werde er auch in wenigen Jahren die Taliban zur Versöhnung bringen - die allerdings haben seine Angebote bisher noch immer ausgeschlagen und höhnen über den Politiker, der noch nicht einmal in Kabul der mächtigste Mann ist.

Wäre das Thema Afghanistan nicht so ernst, könnte man die Rede Karzais belächeln. Bis jetzt hat keine der Zusagen, wie er sie etwa im Januar in London gemacht hat, zu konkretem Handeln seiner Regierung geführt. Karzai spricht von blühenden Landschaften, von wirtschaftlichen Chancen, von der Achtung für Demokratie und Menschenrechte. Dabei ist er durch massiven Wahlbetrug ins Amt gelangt und schränkt Bürgerrechte nach Belieben ein.

US-Präsident Barack Obama hat das baldige Ende der US-Mission angekündigt. Und hatten sich die Nato-Staaten vormals das hehre Ziel "Demokratie in Afghanistan" auf die Fahnen geschrieben, sprechen sie mittlerweile von "demokratischen Grundzügen". Jetzt hat der Paschtune erkannt, dass der Westen abziehen wird - und zwar egal wie die Situation am Hindukusch letztlich ist.

Das Millionengeschäft mit der Sicherheit

Karzai sucht nun nach einem Weg, sein Überleben zu sichern. Folglich dealt er mit den dunklen Mächten im Land. Einige der blutrünstigsten Warlords saßen bereits in der zweiten Reihe hinter ihm am Konferenztisch.

Erreicht hat Karzai bereits, dass statt 20 bald 50 Prozent der Entwicklungshilfe-Milliarden direkt an die afghanische Regierung fließen. Damit haben der Präsident und seine Mannschaft direkte Kontrolle über ein riesiges Budget. Und damit kann man Macht kaufen. Zudem will Karzai private Sicherheitsdienste strenger kontrollieren. Er kleidet das in die Forderung nach afghanischer Souveränität, spricht immer wieder von ausländischen Söldnern. In Wirklichkeit geht es um ein Millionengeschäft. Sein Bruder spielt dabei eine tragende Rolle.

Nebulöses Aussteigerprogramm

Doch von Druck auf Karzai, von mahnenden Worten, dass man Taten erwarte, war auf der Konferenz kaum etwas zu hören. Allein US-Außenministerin Hillary Clinton betonte, dass der Weg bis zum Abzug weitaus schwieriger sei, als viele annehmen. "Wir brauchen noch viel mehr Schritte in die richtige Richtung", sagte Clinton. Die übrigen Chefdiplomaten, Guido Westerwelle eingeschlossen, taten so, als ob die schwierigen Aufgaben von Karzais Regierung schon angegangen worden seien. Im kleinen Kreis sagte Westerwelle später vorsichtig, man habe bei Karzais Rede "sehr genau" hingehört.

Selbst das nebulöse Taliban-Aussteigerprogramm beklatschen die Minister. Ohne jedes Konzept sponsert die Staatengemeinschaft mit mindestens zehn Millionen Euro im ersten Jahr ein Programm, das durch Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen vielleicht ein paar hundert Taliban-Fußsoldaten von der Waffe weglockt. Wie jedoch die Anführer der Taliban oder anderer mächtiger Aufständischen-Gruppen zur Integration gebracht werden sollen, kann und muss Karzai nicht erklären.

Aussöhnung hört sich schließlich gut an und lässt sich besser verkaufen als ein langer, verlustreicher Kampf gegen die Taliban.

Der Westen hat sich, das wurde auf der Kabul-Konferenz sichtbar, mit der Ankündigung seines Rückzugs endgültig seiner Druckmittel beraubt. Bis 2014 sind die Entwicklungshilfemilliarden zugesagt. Karzai plant augenscheinlich schon für die Zeit danach - wie er überleben und sich und seinen Getreuen die Macht und das ein oder andere Geschäft sichern kann. Es wird in den Jahren danach nicht das Afghanistan entstehen, das sich viele in den USA und Europa erträumt haben.

Spiegel Online

Freitag, 25. Juni 2010

Donnerstag, 24. Juni 2010

Obama feuert "The Runaway General" McChrystal




The Runaway General
Stanley McChrystal, Obama's top commander in Afghanistan, has seized control of the war by never taking his eye off the real enemy: The wimps in the White House


By Michael Hastings
Jun 22, 2010 10:00 AM EDT

This article appears in RS 1108/1109 from July 8-22, 2010, on newsstands Friday, June 25.


'How'd I get screwed into going to this dinner?" demands Gen. Stanley McChrystal. It's a Thursday night in mid-April, and the commander of all U.S. and NATO forces in Afghanistan is sitting in a four-star suite at the Hôtel Westminster in Paris. He's in France to sell his new war strategy to our NATO allies – to keep up the fiction, in essence, that we actually have allies. Since McChrystal took over a year ago, the Afghan war has become the exclusive property of the United States. Opposition to the war has already toppled the Dutch government, forced the resignation of Germany's president and sparked both Canada and the Netherlands to announce the withdrawal of their 4,500 troops. McChrystal is in Paris to keep the French, who have lost more than 40 soldiers in Afghanistan, from going all wobbly on him.

"The dinner comes with the position, sir," says his chief of staff, Col. Charlie Flynn.

McChrystal turns sharply in his chair.

"Hey, Charlie," he asks, "does this come with the position?"

McChrystal gives him the middle finger.

The general stands and looks around the suite that his traveling staff of 10 has converted into a full-scale operations center. The tables are crowded with silver Panasonic Toughbooks, and blue cables crisscross the hotel's thick carpet, hooked up to satellite dishes to provide encrypted phone and e-mail communications. Dressed in off-the-rack civilian casual – blue tie, button-down shirt, dress slacks – McChrystal is way out of his comfort zone. Paris, as one of his advisers says, is the "most anti-McChrystal city you can imagine." The general hates fancy restaurants, rejecting any place with candles on the tables as too "Gucci." He prefers Bud Light Lime (his favorite beer) to Bordeaux, Talladega Nights (his favorite movie) to Jean-Luc Godard. Besides, the public eye has never been a place where McChrystal felt comfortable: Before President Obama put him in charge of the war in Afghanistan, he spent five years running the Pentagon's most secretive black ops.

"What's the update on the Kandahar bombing?" McChrystal asks Flynn. The city has been rocked by two massive car bombs in the past day alone, calling into question the general's assurances that he can wrest it from the Taliban.

"We have two KIAs, but that hasn't been confirmed," Flynn says.

McChrystal takes a final look around the suite. At 55, he is gaunt and lean, not unlike an older version of Christian Bale in Rescue Dawn. His slate-blue eyes have the unsettling ability to drill down when they lock on you. If you've fucked up or disappointed him, they can destroy your soul without the need for him to raise his voice.

"I'd rather have my ass kicked by a roomful of people than go out to this dinner," McChrystal says.

He pauses a beat.

"Unfortunately," he adds, "no one in this room could do it."

With that, he's out the door.

"Who's he going to dinner with?" I ask one of his aides.

"Some French minister," the aide tells me. "It's fucking gay."

The next morning, McChrystal and his team gather to prepare for a speech he is giving at the École Militaire, a French military academy. The general prides himself on being sharper and ballsier than anyone else, but his brashness comes with a price: Although McChrystal has been in charge of the war for only a year, in that short time he has managed to piss off almost everyone with a stake in the conflict. Last fall, during the question-and-answer session following a speech he gave in London, McChrystal dismissed the counterterrorism strategy being advocated by Vice President Joe Biden as "shortsighted," saying it would lead to a state of "Chaos-istan." The remarks earned him a smackdown from the president himself, who summoned the general to a terse private meeting aboard Air Force One. The message to McChrystal seemed clear: Shut the fuck up, and keep a lower profile

Now, flipping through printout cards of his speech in Paris, McChrystal wonders aloud what Biden question he might get today, and how he should respond. "I never know what's going to pop out until I'm up there, that's the problem," he says. Then, unable to help themselves, he and his staff imagine the general dismissing the vice president with a good one-liner.

"Are you asking about Vice President Biden?" McChrystal says with a laugh. "Who's that?"

"Biden?" suggests a top adviser. "Did you say: Bite Me?"

When Barack Obama entered the Oval Office, he immediately set out to deliver on his most important campaign promise on foreign policy: to refocus the war in Afghanistan on what led us to invade in the first place. "I want the American people to understand," he announced in March 2009. "We have a clear and focused goal: to disrupt, dismantle and defeat Al Qaeda in Pakistan and Afghanistan." He ordered another 21,000 troops to Kabul, the largest increase since the war began in 2001. Taking the advice of both the Pentagon and the Joint Chiefs of Staff, he also fired Gen. David McKiernan – then the U.S. and NATO commander in Afghanistan – and replaced him with a man he didn't know and had met only briefly: Gen. Stanley McChrystal. It was the first time a top general had been relieved from duty during wartime in more than 50 years, since Harry Truman fired Gen. Douglas MacArthur at the height of the Korean War.

Even though he had voted for Obama, McChrystal and his new commander in chief failed from the outset to connect. The general first encountered Obama a week after he took office, when the president met with a dozen senior military officials in a room at the Pentagon known as the Tank. According to sources familiar with the meeting, McChrystal thought Obama looked "uncomfortable and intimidated" by the roomful of military brass. Their first one-on-one meeting took place in the Oval Office four months later, after McChrystal got the Afghanistan job, and it didn't go much better. "It was a 10-minute photo op," says an adviser to McChrystal. "Obama clearly didn't know anything about him, who he was. Here's the guy who's going to run his fucking war, but he didn't seem very engaged. The Boss was pretty disappointed.

From the start, McChrystal was determined to place his personal stamp on Afghanistan, to use it as a laboratory for a controversial military strategy known as counterinsurgency. COIN, as the theory is known, is the new gospel of the Pentagon brass, a doctrine that attempts to square the military's preference for high-tech violence with the demands of fighting protracted wars in failed states. COIN calls for sending huge numbers of ground troops to not only destroy the enemy, but to live among the civilian population and slowly rebuild, or build from scratch, another nation's government – a process that even its staunchest advocates admit requires years, if not decades, to achieve. The theory essentially rebrands the military, expanding its authority (and its funding) to encompass the diplomatic and political sides of warfare: Think the Green Berets as an armed Peace Corps. In 2006, after Gen. David Petraeus beta-tested the theory during his "surge" in Iraq, it quickly gained a hardcore following of think-tankers, journalists, military officers and civilian officials. Nicknamed "COINdinistas" for their cultish zeal, this influential cadre believed the doctrine would be the perfect solution for Afghanistan. All they needed was a general with enough charisma and political savvy to implement it.

As McChrystal leaned on Obama to ramp up the war, he did it with the same fearlessness he used to track down terrorists in Iraq: Figure out how your enemy operates, be faster and more ruthless than everybody else, then take the fuckers out. After arriving in Afghanistan last June, the general conducted his own policy review, ordered up by Defense Secretary Robert Gates. The now-infamous report was leaked to the press, and its conclusion was dire: If we didn't send another 40,000 troops – swelling the number of U.S. forces in Afghanistan by nearly half – we were in danger of "mission failure." The White House was furious. McChrystal, they felt, was trying to bully Obama, opening him up to charges of being weak on national security unless he did what the general wanted. It was Obama versus the Pentagon, and the Pentagon was determined to kick the president's ass.

Last fall, with his top general calling for more troops, Obama launched a three-month review to re-evaluate the strategy in Afghanistan. "I found that time painful," McChrystal tells me in one of several lengthy interviews. "I was selling an unsellable position." For the general, it was a crash course in Beltway politics – a battle that pitted him against experienced Washington insiders like Vice President Biden, who argued that a prolonged counterinsurgency campaign in Afghanistan would plunge America into a military quagmire without weakening international terrorist networks. "The entire COIN strategy is a fraud perpetuated on the American people," says Douglas Macgregor, a retired colonel and leading critic of counterinsurgency who attended West Point with McChrystal. "The idea that we are going to spend a trillion dollars to reshape the culture of the Islamic world is utter nonsense.

In the end, however, McChrystal got almost exactly what he wanted. On December 1st, in a speech at West Point, the president laid out all the reasons why fighting the war in Afghanistan is a bad idea: It's expensive; we're in an economic crisis; a decade-long commitment would sap American power; Al Qaeda has shifted its base of operations to Pakistan. Then, without ever using the words "victory" or "win," Obama announced that he would send an additional 30,000 troops to Afghanistan, almost as many as McChrystal had requested. The president had thrown his weight, however hesitantly, behind the counterinsurgency crowd.

Today, as McChrystal gears up for an offensive in southern Afghanistan, the prospects for any kind of success look bleak. In June, the death toll for U.S. troops passed 1,000, and the number of IEDs has doubled. Spending hundreds of billions of dollars on the fifth-poorest country on earth has failed to win over the civilian population, whose attitude toward U.S. troops ranges from intensely wary to openly hostile. The biggest military operation of the year – a ferocious offensive that began in February to retake the southern town of Marja – continues to drag on, prompting McChrystal himself to refer to it as a "bleeding ulcer." In June, Afghanistan officially outpaced Vietnam as the longest war in American history – and Obama has quietly begun to back away from the deadline he set for withdrawing U.S. troops in July of next year. The president finds himself stuck in something even more insane than a quagmire: a quagmire he knowingly walked into, even though it's precisely the kind of gigantic, mind-numbing, multigenerational nation-building project he explicitly said he didn't want.

Even those who support McChrystal and his strategy of counterinsurgency know that whatever the general manages to accomplish in Afghanistan, it's going to look more like Vietnam than Desert Storm. "It's not going to look like a win, smell like a win or taste like a win," says Maj. Gen. Bill Mayville, who serves as chief of operations for McChrystal. "This is going to end in an argument."

The night after his speech in Paris, McChrystal and his staff head to Kitty O'Shea's, an Irish pub catering to tourists, around the corner from the hotel. His wife, Annie, has joined him for a rare visit: Since the Iraq War began in 2003, she has seen her husband less than 30 days a year. Though it is his and Annie's 33rd wedding anniversary, McChrystal has invited his inner circle along for dinner and drinks at the "least Gucci" place his staff could find. His wife isn't surprised. "He once took me to a Jack in the Box when I was dressed in formalwear," she says with a laugh.

The general's staff is a handpicked collection of killers, spies, geniuses, patriots, political operators and outright maniacs. There's a former head of British Special Forces, two Navy Seals, an Afghan Special Forces commando, a lawyer, two fighter pilots and at least two dozen combat veterans and counterinsurgency experts. They jokingly refer to themselves as Team America, taking the name from the South Park-esque sendup of military cluelessness, and they pride themselves on their can-do attitude and their disdain for authority. After arriving in Kabul last summer, Team America set about changing the culture of the International Security Assistance Force, as the NATO-led mission is known. (U.S. soldiers had taken to deriding ISAF as short for "I Suck at Fighting" or "In Sandals and Flip-Flops.") McChrystal banned alcohol on base, kicked out Burger King and other symbols of American excess, expanded the morning briefing to include thousands of officers and refashioned the command center into a Situational Awareness Room, a free-flowing information hub modeled after Mayor Mike Bloomberg's offices in New York. He also set a manic pace for his staff, becoming legendary for sleeping four hours a night, running seven miles each morning, and eating one meal a day. (In the month I spend around the general, I witness him eating only once.) It's a kind of superhuman narrative that has built up around him, a staple in almost every media profile, as if the ability to go without sleep and food translates into the possibility of a man single-handedly winning the war.

By midnight at Kitty O'Shea's, much of Team America is completely shitfaced. Two officers do an Irish jig mixed with steps from a traditional Afghan wedding dance, while McChrystal's top advisers lock arms and sing a slurred song of their own invention. "Afghanistan!" they bellow. "Afghanistan!" They call it their Afghanistan song.

McChrystal steps away from the circle, observing his team. "All these men," he tells me. "I'd die for them. And they'd die for me."

The assembled men may look and sound like a bunch of combat veterans letting off steam, but in fact this tight-knit group represents the most powerful force shaping U.S. policy in Afghanistan. While McChrystal and his men are in indisputable command of all military aspects of the war, there is no equivalent position on the diplomatic or political side. Instead, an assortment of administration players compete over the Afghan portfolio: U.S. Ambassador Karl Eikenberry, Special Representative to Afghanistan Richard Holbrooke, National Security Advisor Jim Jones and Secretary of State Hillary Clinton, not to mention 40 or so other coalition ambassadors and a host of talking heads who try to insert themselves into the mess, from John Kerry to John McCain. This diplomatic incoherence has effectively allowed McChrystal's team to call the shots and hampered efforts to build a stable and credible government in Afghanistan. "It jeopardizes the mission," says Stephen Biddle, a senior fellow at the Council on Foreign Relations who supports McChrystal. "The military cannot by itself create governance reform."

Part of the problem is structural: The Defense Department budget exceeds $600 billion a year, while the State Department receives only $50 billion. But part of the problem is personal: In private, Team McChrystal likes to talk shit about many of Obama's top people on the diplomatic side. One aide calls Jim Jones, a retired four-star general and veteran of the Cold War, a "clown" who remains "stuck in 1985." Politicians like McCain and Kerry, says another aide, "turn up, have a meeting with Karzai, criticize him at the airport press conference, then get back for the Sunday talk shows. Frankly, it's not very helpful." Only Hillary Clinton receives good reviews from McChrystal's inner circle. "Hillary had Stan's back during the strategic review," says an adviser. "She said, 'If Stan wants it, give him what he needs.' "

McChrystal reserves special skepticism for Holbrooke, the official in charge of reintegrating the Taliban. "The Boss says he's like a wounded animal," says a member of the general's team. "Holbrooke keeps hearing rumors that he's going to get fired, so that makes him dangerous. He's a brilliant guy, but he just comes in, pulls on a lever, whatever he can grasp onto. But this is COIN, and you can't just have someone yanking on shit."

At one point on his trip to Paris, McChrystal checks his BlackBerry. "Oh, not another e-mail from Holbrooke," he groans. "I don't even want to open it." He clicks on the message and reads the salutation out loud, then stuffs the BlackBerry back in his pocket, not bothering to conceal his annoyance.

"Make sure you don't get any of that on your leg," an aide jokes, referring to the e-mail.

By far the most crucial – and strained – relationship is between McChrystal and Eikenberry, the U.S. ambassador. According to those close to the two men, Eikenberry – a retired three-star general who served in Afghanistan in 2002 and 2005 – can't stand that his former subordinate is now calling the shots. He's also furious that McChrystal, backed by NATO's allies, refused to put Eikenberry in the pivotal role of viceroy in Afghanistan, which would have made him the diplomatic equivalent of the general. The job instead went to British Ambassador Mark Sedwill – a move that effectively increased McChrystal's influence over diplomacy by shutting out a powerful rival. "In reality, that position needs to be filled by an American for it to have weight," says a U.S. official familiar with the negotiations.

The relationship was further strained in January, when a classified cable that Eikenberry wrote was leaked to The New York Times. The cable was as scathing as it was prescient. The ambassador offered a brutal critique of McChrystal's strategy, dismissed President Hamid Karzai as "not an adequate strategic partner," and cast doubt on whether the counterinsurgency plan would be "sufficient" to deal with Al Qaeda. "We will become more deeply engaged here with no way to extricate ourselves," Eikenberry warned, "short of allowing the country to descend again into lawlessness and chaos."

McChrystal and his team were blindsided by the cable. "I like Karl, I've known him for years, but they'd never said anything like that to us before," says McChrystal, who adds that he felt "betrayed" by the leak. "Here's one that covers his flank for the history books. Now if we fail, they can say, 'I told you so.' "

The most striking example of McChrystal's usurpation of diplomatic policy is his handling of Karzai. It is McChrystal, not diplomats like Eikenberry or Holbrooke, who enjoys the best relationship with the man America is relying on to lead Afghanistan. The doctrine of counterinsurgency requires a credible government, and since Karzai is not considered credible by his own people, McChrystal has worked hard to make him so. Over the past few months, he has accompanied the president on more than 10 trips around the country, standing beside him at political meetings, or shuras, in Kandahar. In February, the day before the doomed offensive in Marja, McChrystal even drove over to the president's palace to get him to sign off on what would be the largest military operation of the year. Karzai's staff, however, insisted that the president was sleeping off a cold and could not be disturbed. After several hours of haggling, McChrystal finally enlisted the aid of Afghanistan's defense minister, who persuaded Karzai's people to wake the president from his nap.

This is one of the central flaws with McChrystal's counterinsurgency strategy: The need to build a credible government puts us at the mercy of whatever tin-pot leader we've backed – a danger that Eikenberry explicitly warned about in his cable. Even Team McChrystal privately acknowledges that Karzai is a less-than-ideal partner. "He's been locked up in his palace the past year," laments one of the general's top advisers. At times, Karzai himself has actively undermined McChrystal's desire to put him in charge. During a recent visit to Walter Reed Army Medical Center, Karzai met three U.S. soldiers who had been wounded in Uruzgan province. "General," he called out to McChrystal, "I didn't even know we were fighting in Uruzgan!"

Growing up as a military brat, McChrystal exhibited the mixture of brilliance and cockiness that would follow him throughout his career. His father fought in Korea and Vietnam, retiring as a two-star general, and his four brothers all joined the armed services. Moving around to different bases, McChrystal took solace in baseball, a sport in which he made no pretense of hiding his superiority: In Little League, he would call out strikes to the crowd before whipping a fastball down the middle.

McChrystal entered West Point in 1972, when the U.S. military was close to its all-time low in popularity. His class was the last to graduate before the academy started to admit women. The "Prison on the Hudson," as it was known then, was a potent mix of testosterone, hooliganism and reactionary patriotism. Cadets repeatedly trashed the mess hall in food fights, and birthdays were celebrated with a tradition called "rat fucking," which often left the birthday boy outside in the snow or mud, covered in shaving cream. "It was pretty out of control," says Lt. Gen. David Barno, a classmate who went on to serve as the top commander in Afghanistan from 2003 to 2005. The class, filled with what Barno calls "huge talent" and "wild-eyed teenagers with a strong sense of idealism," also produced Gen. Ray Odierno, the current commander of U.S. forces in Iraq.

The son of a general, McChrystal was also a ringleader of the campus dissidents – a dual role that taught him how to thrive in a rigid, top-down environment while thumbing his nose at authority every chance he got. He accumulated more than 100 hours of demerits for drinking, partying and insubordination – a record that his classmates boasted made him a "century man." One classmate, who asked not to be named, recalls finding McChrystal passed out in the shower after downing a case of beer he had hidden under the sink. The troublemaking almost got him kicked out, and he spent hours subjected to forced marches in the Area, a paved courtyard where unruly cadets were disciplined. "I'd come visit, and I'd end up spending most of my time in the library, while Stan was in the Area," recalls Annie, who began dating McChrystal in 1973.

McChrystal wound up ranking 298 out of a class of 855, a serious underachievement for a man widely regarded as brilliant. His most compelling work was extracurricular: As managing editor of The Pointer, the West Point literary magazine, McChrystal wrote seven short stories that eerily foreshadow many of the issues he would confront in his career. In one tale, a fictional officer complains about the difficulty of training foreign troops to fight; in another, a 19-year-old soldier kills a boy he mistakes for a terrorist. In "Brinkman's Note," a piece of suspense fiction, the unnamed narrator appears to be trying to stop a plot to assassinate the president. It turns out, however, that the narrator himself is the assassin, and he's able to infiltrate the White House: "The President strode in smiling. From the right coat pocket of the raincoat I carried, I slowly drew forth my 32-caliber pistol. In Brinkman's failure, I had succeeded."

After graduation, 2nd Lt. Stanley McChrystal entered an Army that was all but broken in the wake of Vietnam. "We really felt we were a peacetime generation," he recalls. "There was the Gulf War, but even that didn't feel like that big of a deal." So McChrystal spent his career where the action was: He enrolled in Special Forces school and became a regimental commander of the 3rd Ranger Battalion in 1986. It was a dangerous position, even in peacetime – nearly two dozen Rangers were killed in training accidents during the Eighties. It was also an unorthodox career path: Most soldiers who want to climb the ranks to general don't go into the Rangers. Displaying a penchant for transforming systems he considers outdated, McChrystal set out to revolutionize the training regime for the Rangers. He introduced mixed martial arts, required every soldier to qualify with night-vision goggles on the rifle range and forced troops to build up their endurance with weekly marches involving heavy backpacks.

In the late 1990s, McChrystal shrewdly improved his inside game, spending a year at Harvard's Kennedy School of Government and then at the Council on Foreign Relations, where he co-authored a treatise on the merits and drawbacks of humanitarian interventionism. But as he moved up through the ranks, McChrystal relied on the skills he had learned as a troublemaking kid at West Point: knowing precisely how far he could go in a rigid military hierarchy without getting tossed out. Being a highly intelligent badass, he discovered, could take you far – especially in the political chaos that followed September 11th. "He was very focused," says Annie. "Even as a young officer he seemed to know what he wanted to do. I don't think his personality has changed in all these years."



By some accounts, McChrystal's career should have been over at least two times by now. As Pentagon spokesman during the invasion of Iraq, the general seemed more like a White House mouthpiece than an up-and-coming commander with a reputation for speaking his mind. When Defense Secretary Donald Rumsfeld made his infamous "stuff happens" remark during the looting of Baghdad, McChrystal backed him up. A few days later, he echoed the president's Mission Accomplished gaffe by insisting that major combat operations in Iraq were over. But it was during his next stint – overseeing the military's most elite units, including the Rangers, Navy Seals and Delta Force – that McChrystal took part in a cover-up that would have destroyed the career of a lesser man.

After Cpl. Pat Tillman, the former-NFL-star-turned-Ranger, was accidentally killed by his own troops in Afghanistan in April 2004, McChrystal took an active role in creating the impression that Tillman had died at the hands of Taliban fighters. He signed off on a falsified recommendation for a Silver Star that suggested Tillman had been killed by enemy fire. (McChrystal would later claim he didn't read the recommendation closely enough – a strange excuse for a commander known for his laserlike attention to minute details.) A week later, McChrystal sent a memo up the chain of command, specifically warning that President Bush should avoid mentioning the cause of Tillman's death. "If the circumstances of Corporal Tillman's death become public," he wrote, it could cause "public embarrassment" for the president.

"The false narrative, which McChrystal clearly helped construct, diminished Pat's true actions," wrote Tillman's mother, Mary, in her book Boots on the Ground by Dusk. McChrystal got away with it, she added, because he was the "golden boy" of Rumsfeld and Bush, who loved his willingness to get things done, even if it included bending the rules or skipping the chain of command. Nine days after Tillman's death, McChrystal was promoted to major general.

Two years later, in 2006, McChrystal was tainted by a scandal involving detainee abuse and torture at Camp Nama in Iraq. According to a report by Human Rights Watch, prisoners at the camp were subjected to a now-familiar litany of abuse: stress positions, being dragged naked through the mud. McChrystal was not disciplined in the scandal, even though an interrogator at the camp reported seeing him inspect the prison multiple times. But the experience was so unsettling to McChrystal that he tried to prevent detainee operations from being placed under his command in Afghanistan, viewing them as a "political swamp," according to a U.S. official. In May 2009, as McChrystal prepared for his confirmation hearings, his staff prepared him for hard questions about Camp Nama and the Tillman cover-up. But the scandals barely made a ripple in Congress, and McChrystal was soon on his way back to Kabul to run the war in Afghanistan.

The media, to a large extent, have also given McChrystal a pass on both controversies. Where Gen. Petraeus is kind of a dweeb, a teacher's pet with a Ranger's tab, McChrystal is a snake-eating rebel, a "Jedi" commander, as Newsweek called him. He didn't care when his teenage son came home with blue hair and a mohawk. He speaks his mind with a candor rare for a high-ranking official. He asks for opinions, and seems genuinely interested in the response. He gets briefings on his iPod and listens to books on tape. He carries a custom-made set of nunchucks in his convoy engraved with his name and four stars, and his itinerary often bears a fresh quote from Bruce Lee. ("There are no limits. There are only plateaus, and you must not stay there, you must go beyond them.") He went out on dozens of nighttime raids during his time in Iraq, unprecedented for a top commander, and turned up on missions unannounced, with almost no entourage. "The fucking lads love Stan McChrystal," says a British officer who serves in Kabul. "You'd be out in Somewhere, Iraq, and someone would take a knee beside you, and a corporal would be like 'Who the fuck is that?' And it's fucking Stan McChrystal."

It doesn't hurt that McChrystal was also extremely successful as head of the Joint Special Operations Command, the elite forces that carry out the government's darkest ops. During the Iraq surge, his team killed and captured thousands of insurgents, including Abu Musab al-Zarqawi, the leader of Al Qaeda in Iraq. "JSOC was a killing machine," says Maj. Gen. Mayville, his chief of operations. McChrystal was also open to new ways of killing. He systematically mapped out terrorist networks, targeting specific insurgents and hunting them down – often with the help of cyberfreaks traditionally shunned by the military. "The Boss would find the 24-year-old kid with a nose ring, with some fucking brilliant degree from MIT, sitting in the corner with 16 computer monitors humming," says a Special Forces commando who worked with McChrystal in Iraq and now serves on his staff in Kabul. "He'd say, 'Hey – you fucking muscleheads couldn't find lunch without help. You got to work together with these guys.' "

Even in his new role as America's leading evangelist for counterinsurgency, McChrystal retains the deep-seated instincts of a terrorist hunter. To put pressure on the Taliban, he has upped the number of Special Forces units in Afghanistan from four to 19. "You better be out there hitting four or five targets tonight," McChrystal will tell a Navy Seal he sees in the hallway at headquarters. Then he'll add, "I'm going to have to scold you in the morning for it, though." In fact, the general frequently finds himself apologizing for the disastrous consequences of counterinsurgency. In the first four months of this year, NATO forces killed some 90 civilians, up 76 percent from the same period in 2009 – a record that has created tremendous resentment among the very population that COIN theory is intent on winning over. In February, a Special Forces night raid ended in the deaths of two pregnant Afghan women and allegations of a cover-up, and in April, protests erupted in Kandahar after U.S. forces accidentally shot up a bus, killing five Afghans. "We've shot an amazing number of people," McChrystal recently conceded.

Despite the tragedies and miscues, McChrystal has issued some of the strictest directives to avoid civilian casualties that the U.S. military has ever encountered in a war zone. It's "insurgent math," as he calls it – for every innocent person you kill, you create 10 new enemies. He has ordered convoys to curtail their reckless driving, put restrictions on the use of air power and severely limited night raids. He regularly apologizes to Hamid Karzai when civilians are killed, and berates commanders responsible for civilian deaths. "For a while," says one U.S. official, "the most dangerous place to be in Afghanistan was in front of McChrystal after a 'civ cas' incident." The ISAF command has even discussed ways to make not killing into something you can win an award for: There's talk of creating a new medal for "courageous restraint," a buzzword that's unlikely to gain much traction in the gung-ho culture of the U.S. military.

But however strategic they may be, McChrystal's new marching orders have caused an intense backlash among his own troops. Being told to hold their fire, soldiers complain, puts them in greater danger. "Bottom line?" says a former Special Forces operator who has spent years in Iraq and Afghanistan. "I would love to kick McChrystal in the nuts. His rules of engagement put soldiers' lives in even greater danger. Every real soldier will tell you the same thing."

In March, McChrystal traveled to Combat Outpost JFM – a small encampment on the outskirts of Kandahar – to confront such accusations from the troops directly. It was a typically bold move by the general. Only two days earlier, he had received an e-mail from Israel Arroyo, a 25-year-old staff sergeant who asked McChrystal to go on a mission with his unit. "I am writing because it was said you don't care about the troops and have made it harder to defend ourselves," Arroyo wrote.

Within hours, McChrystal responded personally: "I'm saddened by the accusation that I don't care about soldiers, as it is something I suspect any soldier takes both personally and professionally – at least I do. But I know perceptions depend upon your perspective at the time, and I respect that every soldier's view is his own." Then he showed up at Arroyo's outpost and went on a foot patrol with the troops – not some bullshit photo-op stroll through a market, but a real live operation in a dangerous war zone.

Six weeks later, just before McChrystal returned from Paris, the general received another e-mail from Arroyo. A 23-year-old corporal named Michael Ingram – one of the soldiers McChrystal had gone on patrol with – had been killed by an IED a day earlier. It was the third man the 25-member platoon had lost in a year, and Arroyo was writing to see if the general would attend Ingram's memorial service. "He started to look up to you," Arroyo wrote. McChrystal said he would try to make it down to pay his respects as soon as possible.

The night before the general is scheduled to visit Sgt. Arroyo's platoon for the memorial, I arrive at Combat Outpost JFM to speak with the soldiers he had gone on patrol with. JFM is a small encampment, ringed by high blast walls and guard towers. Almost all of the soldiers here have been on repeated combat tours in both Iraq and Afghanistan, and have seen some of the worst fighting of both wars. But they are especially angered by Ingram's death. His commanders had repeatedly requested permission to tear down the house where Ingram was killed, noting that it was often used as a combat position by the Taliban. But due to McChrystal's new restrictions to avoid upsetting civilians, the request had been denied. "These were abandoned houses," fumes Staff Sgt. Kennith Hicks. "Nobody was coming back to live in them."



One soldier shows me the list of new regulations the platoon was given. "Patrol only in areas that you are reasonably certain that you will not have to defend yourselves with lethal force," the laminated card reads. For a soldier who has traveled halfway around the world to fight, that's like telling a cop he should only patrol in areas where he knows he won't have to make arrests. "Does that make any fucking sense?" asks Pfc. Jared Pautsch. "We should just drop a fucking bomb on this place. You sit and ask yourself: What are we doing here?"

The rules handed out here are not what McChrystal intended – they've been distorted as they passed through the chain of command – but knowing that does nothing to lessen the anger of troops on the ground. "Fuck, when I came over here and heard that McChrystal was in charge, I thought we would get our fucking gun on," says Hicks, who has served three tours of combat. "I get COIN. I get all that. McChrystal comes here, explains it, it makes sense. But then he goes away on his bird, and by the time his directives get passed down to us through Big Army, they're all fucked up – either because somebody is trying to cover their ass, or because they just don't understand it themselves. But we're fucking losing this thing."

McChrystal and his team show up the next day. Underneath a tent, the general has a 45-minute discussion with some two dozen soldiers. The atmosphere is tense. "I ask you what's going on in your world, and I think it's important for you all to understand the big picture as well," McChrystal begins. "How's the company doing? You guys feeling sorry for yourselves? Anybody? Anybody feel like you're losing?" McChrystal says.

"Sir, some of the guys here, sir, think we're losing, sir," says Hicks.

McChrystal nods. "Strength is leading when you just don't want to lead," he tells the men. "You're leading by example. That's what we do. Particularly when it's really, really hard, and it hurts inside." Then he spends 20 minutes talking about counterinsurgency, diagramming his concepts and principles on a whiteboard. He makes COIN seem like common sense, but he's careful not to bullshit the men. "We are knee-deep in the decisive year," he tells them. The Taliban, he insists, no longer has the initiative – "but I don't think we do, either." It's similar to the talk he gave in Paris, but it's not winning any hearts and minds among the soldiers. "This is the philosophical part that works with think tanks," McChrystal tries to joke. "But it doesn't get the same reception from infantry companies."

During the question-and-answer period, the frustration boils over. The soldiers complain about not being allowed to use lethal force, about watching insurgents they detain be freed for lack of evidence. They want to be able to fight – like they did in Iraq, like they had in Afghanistan before McChrystal. "We aren't putting fear into the Taliban," one soldier says.

"Winning hearts and minds in COIN is a coldblooded thing," McChrystal says, citing an oft-repeated maxim that you can't kill your way out of Afghanistan. "The Russians killed 1 million Afghans, and that didn't work."

"I'm not saying go out and kill everybody, sir," the soldier persists. "You say we've stopped the momentum of the insurgency. I don't believe that's true in this area. The more we pull back, the more we restrain ourselves, the stronger it's getting."

"I agree with you," McChrystal says. "In this area, we've not made progress, probably. You have to show strength here, you have to use fire. What I'm telling you is, fire costs you. What do you want to do? You want to wipe the population out here and resettle it?"

A soldier complains that under the rules, any insurgent who doesn't have a weapon is immediately assumed to be a civilian. "That's the way this game is," McChrystal says. "It's complex. I can't just decide: It's shirts and skins, and we'll kill all the shirts."

As the discussion ends, McChrystal seems to sense that he hasn't succeeded at easing the men's anger. He makes one last-ditch effort to reach them, acknowledging the death of Cpl. Ingram. "There's no way I can make that easier," he tells them. "No way I can pretend it won't hurt. No way I can tell you not to feel that. . . . I will tell you, you're doing a great job. Don't let the frustration get to you." The session ends with no clapping, and no real resolution. McChrystal may have sold President Obama on counterinsurgency, but many of his own men aren't buying it.



When it comes to Afghanistan, history is not on McChrystal's side. The only foreign invader to have any success here was Genghis Khan – and he wasn't hampered by things like human rights, economic development and press scrutiny. The COIN doctrine, bizarrely, draws inspiration from some of the biggest Western military embarrassments in recent memory: France's nasty war in Algeria (lost in 1962) and the American misadventure in Vietnam (lost in 1975). McChrystal, like other advocates of COIN, readily acknowledges that counterinsurgency campaigns are inherently messy, expensive and easy to lose. "Even Afghans are confused by Afghanistan," he says. But even if he somehow manages to succeed, after years of bloody fighting with Afghan kids who pose no threat to the U.S. homeland, the war will do little to shut down Al Qaeda, which has shifted its operations to Pakistan. Dispatching 150,000 troops to build new schools, roads, mosques and water-treatment facilities around Kandahar is like trying to stop the drug war in Mexico by occupying Arkansas and building Baptist churches in Little Rock. "It's all very cynical, politically," says Marc Sageman, a former CIA case officer who has extensive experience in the region. "Afghanistan is not in our vital interest – there's nothing for us there."

In mid-May, two weeks after visiting the troops in Kandahar, McChrystal travels to the White House for a high-level visit by Hamid Karzai. It is a triumphant moment for the general, one that demonstrates he is very much in command – both in Kabul and in Washington. In the East Room, which is packed with journalists and dignitaries, President Obama sings the praises of Karzai. The two leaders talk about how great their relationship is, about the pain they feel over civilian casualties. They mention the word "progress" 16 times in under an hour. But there is no mention of victory. Still, the session represents the most forceful commitment that Obama has made to McChrystal's strategy in months. "There is no denying the progress that the Afghan people have made in recent years – in education, in health care and economic development," the president says. "As I saw in the lights across Kabul when I landed – lights that would not have been visible just a few years earlier."

It is a disconcerting observation for Obama to make. During the worst years in Iraq, when the Bush administration had no real progress to point to, officials used to offer up the exact same evidence of success. "It was one of our first impressions," one GOP official said in 2006, after landing in Baghdad at the height of the sectarian violence. "So many lights shining brightly." So it is to the language of the Iraq War that the Obama administration has turned – talk of progress, of city lights, of metrics like health care and education. Rhetoric that just a few years ago they would have mocked. "They are trying to manipulate perceptions because there is no definition of victory – because victory is not even defined or recognizable," says Celeste Ward, a senior defense analyst at the RAND Corporation who served as a political adviser to U.S. commanders in Iraq in 2006. "That's the game we're in right now. What we need, for strategic purposes, is to create the perception that we didn't get run off. The facts on the ground are not great, and are not going to become great in the near future."

But facts on the ground, as history has proven, offer little deterrent to a military determined to stay the course. Even those closest to McChrystal know that the rising anti-war sentiment at home doesn't begin to reflect how deeply fucked up things are in Afghanistan. "If Americans pulled back and started paying attention to this war, it would become even less popular," a senior adviser to McChrystal says. Such realism, however, doesn't prevent advocates of counterinsurgency from dreaming big: Instead of beginning to withdraw troops next year, as Obama promised, the military hopes to ramp up its counterinsurgency campaign even further. "There's a possibility we could ask for another surge of U.S. forces next summer if we see success here," a senior military official in Kabul tells me.

Back in Afghanistan, less than a month after the White House meeting with Karzai and all the talk of "progress," McChrystal is hit by the biggest blow to his vision of counterinsurgency. Since last year, the Pentagon had been planning to launch a major military operation this summer in Kandahar, the country's second-largest city and the Taliban's original home base. It was supposed to be a decisive turning point in the war – the primary reason for the troop surge that McChrystal wrested from Obama late last year. But on June 10th, acknowledging that the military still needs to lay more groundwork, the general announced that he is postponing the offensive until the fall. Rather than one big battle, like Fallujah or Ramadi, U.S. troops will implement what McChrystal calls a "rising tide of security." The Afghan police and army will enter Kandahar to attempt to seize control of neighborhoods, while the U.S. pours $90 million of aid into the city to win over the civilian population.

Even proponents of counterinsurgency are hard-pressed to explain the new plan. "This isn't a classic operation," says a U.S. military official. "It's not going to be Black Hawk Down. There aren't going to be doors kicked in." Other U.S. officials insist that doors are going to be kicked in, but that it's going to be a kinder, gentler offensive than the disaster in Marja. "The Taliban have a jackboot on the city," says a military official. "We have to remove them, but we have to do it in a way that doesn't alienate the population." When Vice President Biden was briefed on the new plan in the Oval Office, insiders say he was shocked to see how much it mirrored the more gradual plan of counterterrorism that he advocated last fall. "This looks like CT-plus!" he said, according to U.S. officials familiar with the meeting.

Whatever the nature of the new plan, the delay underscores the fundamental flaws of counterinsurgency. After nine years of war, the Taliban simply remains too strongly entrenched for the U.S. military to openly attack. The very people that COIN seeks to win over – the Afghan people – do not want us there. Our supposed ally, President Karzai, used his influence to delay the offensive, and the massive influx of aid championed by McChrystal is likely only to make things worse. "Throwing money at the problem exacerbates the problem," says Andrew Wilder, an expert at Tufts University who has studied the effect of aid in southern Afghanistan. "A tsunami of cash fuels corruption, delegitimizes the government and creates an environment where we're picking winners and losers" – a process that fuels resentment and hostility among the civilian population. So far, counterinsurgency has succeeded only in creating a never-ending demand for the primary product supplied by the military: perpetual war. There is a reason that President Obama studiously avoids using the word "victory" when he talks about Afghanistan. Winning, it would seem, is not really possible. Not even with Stanley McChrystal in charge.

This article appears in in RS 1108/1109 from July 8-22, 2010, on newsstands Friday, June 25.

Rolling Stone

Sonntag, 25. April 2010

Donnerstag, 22. April 2010

McChrystal und Guttenberg über die Afghanistan-Strategie

Merkels Erklärung zum Afghanistaneinsatz der Bundeswehr





Guttenbergs Kunduz-Ausschuss

Guttenberg hat seinen Kopf aus der Schlinge gezogen.


Kunduz-Ausschuss
Guttenberg kämpft um seine Wahrheit

Von Matthias Gebauer



Verteidigungsminister Guttenberg: "Möglichkeit eines Riesenfehlers"

Er war gut vorbereitet - und punktete mit dem Eingeständnis eigener Fehler: Verteidigungsminister Guttenberg hat vor dem Bundestagsausschuss sein Handeln in der Kunduz-Affäre gerechtfertigt. Die Opposition rügte Widersprüche in seinen Aussagen, doch die Rücktrittsforderungen klingen schon leiser.

Berlin - Es war eine mehrstündige, teilweise auch turbulente Vernehmung: Vor dem Untersuchungsausschuss zur Kunduz-Affäre hat Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg zwar Fehler eingestanden - aber die Grundzüge seines Handelns vehement gerechtfertigt. In einer anderthalbstündigen Erklärung machte der CSU-Minister deutlich, dass die Entlassung zweier Top-Beamten gut begründet gewesen sei.

Allerdings gestand Guttenberg erneut ein, dass seine erste Bewertung des Bombardements falsch war. Für diese Fehleinschätzung übernahm er persönlich und politisch die Verantwortung. Guttenberg hatte den Angriff auf zwei von den Taliban entführte Tanklaster und vermutete Kämpfer um die beiden Fahrzeuge herum zunächst Anfang November 2009 als "militärisch angemessen" bezeichnet, rund einen Monat später behauptete er das Gegenteil.

In seiner Bewertung ging Guttenberg in der Vernehmung wesentlich weiter als bisher. "So unmittelbar war die Bedrohungslage nicht, um bewusst oder gezielt zivile Opfer in Kauf zu nehmen", sagte der CSU-Politiker. Aus heutiger Sicht, argumentierte er, hätte auch Oberst Georg Klein das Bombardement nicht angeordnet. Im November hatte er bei seinen ersten Äußerungen den Eindruck erweckt, der Angriff sei trotz mehrerer Verfahrensfehler zwangsläufig gewesen.

"Lasse mir nicht diktieren, wann mein Vertrauen erschöpft ist"

Im Kern ging es in dem Untersuchungsausschuss um zwei Themen. Zum einen kritisiert die Opposition den Minister scharf, da sein Meinungswechsel bei den Aussagen zum Bombardement nicht nachvollziehbar oder gar willkürlich sei. Außerdem haben SPD, Grüne und Linke den Verdacht, dass Guttenberg über die Kündigungen des Generalinspekteurs Wolfgang Schneiderhan und des damaligen Staatssekretärs Peter Wichert bisher nicht die Wahrheit gesagt hat.

Guttenberg erschien am Donnerstag gut vorbereitet. Auf rund 60 Seiten hatte er gemeinsam mit seinen Juristen und Beratern ein Statement vorbereitet, dass alle Kernpunkte der Kritik behandelte. In drei Abschnitten äußerte sich der Minister detailliert über die relevanten Gespräche, Berichte und Vorgänge. Guttenberg war erst Ende Oktober ins Amt gekommen, der Angriff selber fand in der Verantwortung seines Vorgängers Franz-Josef Jung (CDU) statt.

Die Kritik an der Entlassung von Schneiderhan und Wichert wies der Minister entschieden zurück. Er lasse sich nicht diktieren, wann sein Vertrauen in enge Berater erschöpft sein darf. Guttenberg hatte die beiden geschasst, weil er am 25. November erst aus der Presse von einem nationalen Untersuchungsbericht zu dem Kunduz-Bombardement erfahren hatte. Das als Feldjäger-Bericht bekannte Dossier fasst die viertägigen Recherchen eines deutschen Offiziers zusammen.

Misstrauen und immer neue Details

In seinem Statement verteidigte Guttenberg seine Haltung. Entscheidend sei nicht der Inhalt der Berichte, "sondern die Erkenntnis, dass mir zentrale Dokumente und Berichte zu dem Luftschlag, die bereits zum Zeitpunkt meines Amtsantritts und vor meinen ersten öffentlichen Erklärungen bei führenden Stellen meines Ministeriums vorlagen, mir gegenüber weder erwähnt noch vorgelegt worden waren", sagte er. Diese Erkenntnis habe eine vertrauensvolle Zusammenarbeit unmöglich gemacht.

"Ich verstehe es nicht und akzeptiere es nicht, dass mir dieser Bericht nicht vorgelegt wurde und ich nicht informiert worden bin", sagte Guttenberg mit fester Stimme. Detailliert beschrieb er die Momente, als er den Bericht das erste Mal durchlas. Schon bei oberflächlicher Lektüre sei ihm aufgefallen, dass das Dossier im Haus offenbar absichtlich unter der Decke gehalten werden sollte. Folglich sei er umgehend misstrauisch geworden.

Im Zusammenhang mit der Kündigung sah der Minister auch seine Neubewertung des ganzen Vorfalls. Erst nachdem er von dem Feldjägerbericht erfahren habe, seien ihm immer neue Details bekannt geworden. Daraufhin habe er den Vorgang neu bewertet. Unter anderem habe er von zwei seiner ranghöchsten Soldaten erfahren, dass sie den Vorfall bei Kunduz wesentlich kritischer sahen, als Wichert und Schneiderhan das zuvor bei der Einweisung des Ministers getan hatten.

Gegenüberstellung der Akteure

Konkret erwähnte Guttenberg mehrere Gespräche, die er in den Tagen nach der Kündigung mit diversen Spitzenmilitärs geführt hatte. Er verwies auf einen Bericht des Regionalkommandeurs Jörg Vollmer und einen Vermerk des Befehlshabers im Einsatzführungskommando. General Rainer Glatz habe ihn darauf hingewiesen, "dass auch ein Verzicht auf den Luftschlag vertretbar gewesen wäre", sagte Guttenberg. Zudem habe er von der "Möglichkeit eines Riesenfehlers" gesprochen.

In seiner Vernehmung beschrieb Guttenberg die Vorkommnisse im Spätherbst 2009 in entscheidenden Teilen anders als zuvor die beiden Ex-Beamten Wichert und Schneiderhan. So sagte Guttenberg aus, bei dem Kündigungsgespräch mit den beiden sei auch sein damaliger Adjutant zugegen gewesen. Die Opposition will dies zum Anlass nehmen, die Akteure in naher Zukunft mit einer förmlichen Gegenüberstellung vorzuladen.

In seinem Vortrag betonte Guttenberg, dass sich seine Aussagen über den Luftschlag nicht gegen die Soldaten, auch nicht gegen den damals kommandierenden Oberst Georg Klein richteten. "Im Rückblick stellen wir fest: Es wäre richtig gewesen, wenn der Luftangriff von Kunduz unterblieben wäre", sagte der Politiker. Gleichwohl dürfe er als Minister, aber auch die Regierung und das Parlament "Oberst Klein nicht mit der gesamten Verantwortung für seine Entscheidung allein lassen".

Opposition wittert Widersprüche

Nach sechs Stunden öffentlicher Vernehmung zog sich der Ausschuss zu einer geschlossenen Sitzung zurück, da viele Dokumente zum Vorgang als geheim klassifiziert sind. Die Opposition äußerte anschließend Kritik an Guttenbergs Ausführungen. SPD-Verteidigungsexperte Rainer Arnold erklärte, der Minister habe nicht substanziell erklären können, welche Informationen er von seinen Spitzenleuten vermisst habe. Die Entlassung von Schneiderhan und Wichert nannte er "stillos" und "würdelos". Grünen-Verteidigungsexperte Omid Nouripour sagte, es sei gut, dass der Minister eigene Fehler zugegeben habe. Es blieben aber Widersprüche.

Tatsächlich könnten die unterschiedlichen Aussagen ernste Konsequenzen haben. Falsche Darstellungen vor dem Ausschuss sind strafbar. Im Verteidigungsministerium heißt es aber, Guttenbergs Version werde durch seine Büroleiterin und den Adjutanten bestätigt. Wirklich wirksam war die Kritik der Opposition denn auch nicht. Die notorischen Rücktrittsforderungen der Abgeordneten klangen am Abend sehr viel schwächer als zum Auftakt der Sitzung.

Guttenberg wird nun zwar mit dem Makel leben müssen, in der Startphase seines Amtes wohl übereilt eine Einschätzung abgegeben zu haben, die er nicht halten konnte. Dass er das so offen zugibt, ist jedoch wieder mal ein überraschender Schwenk des jungen Ministers. Wenn ihm die Offenheit in der Öffentlichkeit eher positiv als negativ ausgelegt wird, war es ein geschickter Schachzug.

Spiegel Online


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Luftschlag von Kundus bleibt Guttenbergs Erblast

Von Thorsten Jungholt 22. April 2010, 21:07 Uhr

In den sechs Monaten seiner Amtszeit ist der Verteidigungsminister im Zeitraffer gereift. Seine vorschnelle Einschätzung zum Luftschlag von Kundus verfolgt ihn dennoch. Vor dem Untersuchungsausschuss verteidigte er die Entlassung seiner Mitarbeiter Schneiderhan und Wichert. Doch die SPD gibt sich damit nicht zufrieden.



Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg

Entscheidungen treffen heißt Folgen verantworten. Karl-Theodor zu Guttenberg, ein Unteroffizier der Reserve, mag diesen simplen militärischen Lehrsatz gekannt haben, als er am 28. Oktober 2009 das Amt des Bundesverteidigungsministers übernahm. Die Tragweite der Entscheidungen allerdings, die ihm als oberster Dienstherr aller deutschen Soldaten abverlangt werden, dürfte dem 38-jährigen Senkrechtstarter der deutschen Politik damals kaum bewusst gewesen sein.

Auf seinem neuen Posten war der CSU-Politiker ein talentierter Anfänger, vom Willen beseelt, die Aufgabe im Sinne der ihm anvertrauten Soldaten besser auszufüllen als sein ungelenker Vorgänger Franz Josef Jung (CDU). Klartext wollte Guttenberg reden, die Dinge beim Namen nennen. Am 6. November, nur eine Woche nach der Amtsübernahme, preschte er deshalb vor und nahm sich der schwerwiegendsten militärischen Operation in der Geschichte der Bundeswehr sowie größten Erblast aus der Ära Jung an, dem Luftschlag von Kundus am 4. September 2009. In einer Stellungnahme wertete er den von dem deutschen Oberst Georg Klein angeordneten Angriff forsch als „militärisch angemessen“.

Ein halbes Jahr später ist aus dem Anfänger ein im Zeitraffer gereifter Inhaber der Befehls- und Kommandogewalt geworden. Guttenberg hat Soldaten zu Grabe getragen, am Krankenbett von Verwundeten gesessen und sich bei drei Besuchen in Afghanistan ein eigenes Bild von der Realität des Einsatzes am Hindukusch bilden können. Er hat gelernt, dass es in bewaffneten Konflikten keine einfachen Wahrheiten gibt, kein simples Richtig oder Falsch. Genau so aber hatte er den Luftschlag am 6. November öffentlich dargestellt: als militärisch richtige Entscheidung, die bei allen Fehlern im Detail „hätte erfolgen müssen“.

Vor dem Untersuchungsausschuss des Bundestags, der sich mit der Aufklärung der Kundus-Affäre befasst, wurde er am Donnerstag mit dieser vorschnellen Einschätzung konfrontiert. Die Parlamentarier wollten von ihm wissen, wie er damals zu der Bewertung gelangen konnte, warum er sie einige Wochen später revidierte und weshalb er im Zuge dieser Neubewertung zwei seiner wichtigsten Mitarbeiter entließ, den Generalinspekteur Wolfgang Schneiderhan und den Staatssekretär Peter Wichert.

In einer über einstündigen Erklärung versuchte Guttenberg, diese Fragen zu beantworten. Nach seiner Lesart hatte er in den ersten Wochen seiner Amtszeit vor allem einen Kardinalfehler begangen: Der Minister verließ sich auf die Einschätzungen Schneiderhans und Wicherts. Als „Nichtfachmann“ sei er auf deren Ratschläge angewiesen gewesen, und es habe auch keinen Anlass gegeben, an der Expertise des Generals und des Staatssekretärs zu zweifeln. Nach den ihm am 6. November „vorliegenden Auswertungen und fachlichen Beratungen“ habe er sich deren Bewertung der militärischen Angemessenheit des Luftschlags deshalb zu eigen gemacht.

Erst am 25. November habe er durch die „Bild“-Zeitung erfahren, dass ihm Schneiderhan und Wichert nicht alles offenbart hatten. Es gab weitere Dokumente, von denen er keine Kenntnis hatte, unter anderem einen Feldjägerbericht, der Oberst Kleins Vorgehen anders als Guttenbergs Ratgeber kritisch bewertete. Auch in der Generalität hätten schon früh andere Einschätzungen vorgelegen, sagte Guttenberg, die ihm vorenthalten worden seien.

Der Minister bestellte Schneiderhan und Wichert in sein Büro. Die hätten dort erst auf dreimalige Nachfrage die Existenz weiterer Berichte zum Luftschlag eingeräumt – was Guttenberg zu zwei Schritten veranlasste. Erstens sah er das Vertrauen in seine Ratgeber erschüttert und legte ihnen den Rücktritt nahe. Der Minister betonte, entscheidend für die Entlassung sei nicht der Inhalt der zurückgehaltenen Dokumente gewesen, sondern allein der Fakt, dass seine wichtigsten Mitarbeiter ihrer „Bringschuld“ nicht nachgekommen seien, ihn umfassend zu informieren.

Zweitens nahm er eine Neubewertung des Luftschlags vor. Schneiderhan und Wichert hätten ihm lediglich die Sichtweise Oberst Kleins dargelegt. Aus dessen „rein militärisch-operativer Bewertung im Zeitpunkt des Handelns“ sei der Luftschlag notwendig und angemessen gewesen. Das gelte bis heute.

In einer nachträglichen „politischen Gesamtbeurteilung“ unter Einbeziehung aller verfügbaren Informationen aber hätte der Angriff nicht erfolgen müssen, „ja nicht erfolgen dürfen“, sagte Guttenberg. Er stehe zu seiner Fehlbewertung, und er habe sie öffentlich korrigiert. „Ich frage Sie“, sagte er an die Adresse der Abgeordneten, „erwarten wir von guter Politik nicht alle sogar, dass sie sich bisweilen korrigiert?“

Die Vertreter der Regierungsfraktionen stimmten dem Minister zu und sprachen von einem „überzeugenden Auftritt“ Guttenbergs. SPD, Grüne und Linke dagegen sahen weiterhin offene Fragen. Guttenberg habe „an keinem einzigen Punkt substanziell erklärt“, welche Informationen ihm zunächst gefehlt hätten, sagte der SPD-Obmann Rainer Arnold.

Auch der genaue Verlauf des Entlassungsgesprächs sei von beiden Parteien widersprüchlich geschildert worden. Die SPD überlege deshalb, eine Gegenüberstellung von Guttenberg sowie Schneiderhan und Wichert zu beantragen.

Welt Online

Samstag, 17. April 2010

Angela Merkel zum Afghanistan-Einsatz

Stellungnahme nach dem erneuten Anschlag auf die Bundeswehr mit vier Toten.

Donnerstag, 8. April 2010

Auf der Suche nach dem Afghan Girl

Wer kennt ihr Foto nicht?

Dienstag, 6. April 2010

Karzai: Eine Marionette muckt auf

Es scheint ganz so als wolle der afghanische Präsident, Hamid Karzai, innenpolitisch an Legitimation gewinnen. Karzai, auch als Bürgermeister von Kabul verspottet, war nach dem Sturz der Extremisten-Regierung von den Besatzungsmächten installiert worden. Wenn er nicht funktioniert, und dieses Anzeichen gab es schon bei seinem noch geduldeten Wahlbetrug, wird er ausgewechselt werden. Spätestens die Drohung, er würde mit den Taliban kooperieren, wird in den USA nicht gern gehört werden.



Streit mit dem Westen
Karzai wirft USA Einmischung in Innenpolitik vor


Afghanischer Präsident Karzai: Drohung gegen den Westen?

Der afghanische Präsident geht auf Konfrontationskurs zum Westen. Laut "Wall Street Journal" sagte Hamid Karzai, der Aufstand der Taliban könne zu einer legitimen Widerstandsbewegung werden, wenn die USA sich weiterhin in seine Innenpolitik einmischen.

Washington - Afghanistans Präsident Hamid Karzai hat zum zweiten Mal in einer Woche den Westen scharf kritisiert. Laut "Wall Street Journal" warf er den USA vor, sich in die Belange seines Landes einzumischen. Karzai habe sich am Samstag bei einem privaten Treffen mit 70 afghanischen Parlamentariern geäußert.

Nach Angaben mehrere Teilnehmer an dem Treffen sagte er, sollten die USA und ihre Verbündeten weiterhin der Regierung in Kabul vorschreiben, was sie zu tun habe, könnte der Aufstand der Taliban zu einer legitimen Widerstandsbewegung werden.

Ein Sprecher Karzais dementierte, dass die Aussagen so gefallen seien. Der Präsident habe nur über das neue Wahlgesetz gesprochen und die Abgeordneten aufgefordert, ihre Ablehnung zu überdenken.

Am Mittwoch hatte das Parlament in Kabul ein Dekret Karzais von Anfang dieses Jahres gekippt, wonach der Präsident alle Mitglieder der Wahlkommission hätte bestimmen können. Vor allem der Westen hatte das Dekret kritisiert, woraufhin Karzai "Ausländern" vorwarf, das Parlament unter Druck gesetzt zu haben.

Laut der Zeitung sagte einer der Abgeordneten nach dem Treffen, wenn Karzai seine Konfrontationskurs gegen den Westen fortsetze, werde die Situation unhaltbar - und man müsse zur Not Maßnahmen gegen die Regierung ergreifen.

Am Donnerstag hatte Karzai in einer Rede von "weit verbreitetem Betrug" bei den Präsidentschaftswahlen im vergangenen Jahr gesprochen und hinzugefügt: "Nicht die Afghanen haben diesen Betrug begangen, sondern die Ausländer." In einem Telefonat mit US-Außenminister Hillary Clinton versuchte der afghanische Präsident einen Tag später, die Verstimmung wieder auszuräumen. Aus Washington und aus Kabul hieß es danach, die Angelegenheit sei erledigt.

Spiegel Online

Sonntag, 4. April 2010

Forum Pariser Platz: Afghanistan - Deutschland im Krieg

Teilnehmer sind:
Karl-Theodor Freiherr zu Guttenberg (CSU, Bundesminister der Verteidigung),
Gregor Gysi (Die Linke, Fraktionsvorsitzender),
Tom Koenigs (Bündnis 90/Die Grünen, ehem. UN-Sondergesandter für Afghanistan),
General Karl-Heinz Lather (Chef des Stabes im NATO-Hauptquartier)
Stefan Kornelius, Ressortleiter Außenpolitk, Süddeutsche Zeitung
Moderation: Christoph Minhoff











Guttenberg spricht von Krieg

Al Kaida hatte bis 2001 ihren Stützpunkt in Afghanistan und das Land mit Hilfe der Taliban, die sie unterwandert haben, unter ihrer Kontrolle. Die Operation Enduring Freedom hat dieses Regime noch im Oktober 2001 gestürzt. Das Problem ist, dass die neue Regierung korrupt ist und keine Legitimation von Seiten des Volkes hat. Karzai und seine Warlords können sich nur mit Unterstützung des Westens an der Macht halten. Ähnlich war es schon bei den britischen Kriegen in Afghanistan - keiner der von den Besatzern bestimmten neuen Führer konnte sich nach Abzug der Truppen behaupten.
Ich kann die Notwendigkeit, Afghanistan nicht mehr zu einem Rückzugsort von Extremisten werden zu lassen, verstehen. Al Kaida hat seine Aktivitäten aber mittlerweile in den Jemen verlegt und die Taliban sind Teil der afghanischen Bevölkerung. Und einen Krieg gegen die Bevölkerung kann man nicht gewinnen, zumindest nicht ohne dabei seine Menschlichkeit zu verlieren. Die Vorstellung man könnte innerhalb weniger Jahre in Afghanistan eine Demokratie nach westlichem Vorbild etablieren, war nicht mehr als eine Illusion. Afghanistan ist das beste Beispiel für ein unaufgeklärtes Dritte Welt Land; wie sollen die Menschen dort auch etwas von Humanismus und Selbstbestimmung verstehen können?! Dass die (amerikanischen) Truppen Ende 2011 abziehen werden, bezweifle ich ganz stark. Obama wird einsehen müssen, dass ein Abzug alles bisher Erreichte zunichte machen wird. Doch wieviel ist uns das wert? Dahinten herrscht Bürgerkrieg - das hat jetzt endlich auch Guttenberg kapiert. Was nun dran ist, ist eine Diskussion über die Zukunft dieses Einsatzes. Die Bundeswehr ist Besatzungsmacht und nicht nur zum Brunnenbauen dort. Also muss sie ordentlich ausgerüstet werden. Die deutschen Soldaten müssen in jeder Situation mit Aufständischen technologisch und militärisch überlegen sein, sonst werden noch viel mehr Särge nach Deutschland zurück geschickt werden. Die andere Alternative wäre ein Abzug, wie ihn die Linke fordert. Da somit aber das bisher Erreichte auf dem Spiel steht, ist das unwahrscheinlich. Wir sollten uns darauf einstellen, dass dieser Einsatz noch sehr lange dauern könnte. Ich schätze mindestens 10-20 Jahre.

Guttenberg spricht von Krieg

Nach den schweren Kämpfen in Afghanistan könne man in Afghanistan nun von Krieg reden, meint Verteidigungsminister zu Guttenberg. Die Leichen der drei gefallenen Bundeswehrsoldaten sind inzwischen zurück in Deutschland.


Am Sonntagabend (04.04.2010) landete ein Regierungs-Airbus mit den Särgen der drei getöteten Fallschirmjäger auf dem Flughafen Köln/Bonn. Begleitet wurden die Gefallenen von Entwicklungshilfeminister Dirk Niebel (FDP). Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) hatte das Flugzeug in Köln erwartet. Der Verteidigungsminister hatte seinen Osterurlaub in Südafrika abgebrochen, um die Verwundeten im Bundeswehrzentralkrankenhaus in Koblenz zu besuchen und den Familien der getöteten Soldaten aus dem Standort Seedorf in Niedersachsen bei der Ankunft der Särge beizustehen.

"Wir bleiben"

Guttenberg hat ebenfalls am Sonntag Forderungen nach einem Truppenabzug zurückgewiesen. Das sei man auch den toten und verwundeten Soldaten schuldig, sagte Guttenberg am Sonntag in Bonn. "Wir bleiben in Afghanistan." Er distanzierte sich angesichts der Eskalation der Gewalt von der früheren Sprachregelung, wonach es sich in Afghanistan um einen Stabilisierungseinsatz handele. "Auch wenn es nicht jedem gefällt, so kann man angesichts dessen, was sich in Afghanistan, in Teilen Afghanistans abspielt, durchaus umgangssprachlich - ich betone umgangssprachlich - in Afghanistan von Krieg reden", sagte Guttenberg. Krieg "in juristischem Sinne" sei jedoch etwas anderes.


Der Sarg eines gefallenen Bundeswehrsoldaten während einer Trauerfeier in Kundus

Zwei Tage nach dem bislang schwersten Gefecht der Bundeswehr in Afghanistan hatten die Soldaten im Feldlager Kundus Abschied von ihren getöteten Kameraden genommen. "Wir haben alle gehofft, dass wir diesen Tag niemals erleben müssen, sagte der ISAF-Kommandeur für Nordafghanistan, Brigadegeneral Frank Leidenberger. "Die Hoffnung wurde am 2. April jäh zerstört." Minister Niebel hatte seine Reise um einen Tag verlängert, um an der Trauerfeier teilnehmen zu können.

Tod beim Minenräumen

Die drei Soldaten im Alter zwischen 25 und 35 Jahren waren am Karfreitag bei Gefechten mit radikal-islamischen Taliban getötet worden, als eine Bundeswehr-Patrouille im Unruhedistrikt Char Darah nahe Kundus in einen Hinterhalt geraten war. Die Soldaten wurden beim Minenräumen mit Handfeuerwaffen und Panzerfäusten angegriffen. Bei den stundenlangen Gefechten waren drei deutsche Soldaten getötet und acht verletzt worden. Die ISAF-Truppen hätten auf Angriffe aus der Luft auch verzichtet, um die Zivilbevölkerung nicht zu gefährden, sagte Generalinspekteur Volker Wieker am Sonntag in Bonn. Am Rande der Kämpfe wurden zudem durch Bundeswehr-Beschuss sechs Soldaten der verbündeten afghanischen Armee irrtümlich getötet. Der Vorfall werde jetzt intensiv untersucht, berichtete Guttenberg.

Der Tod der drei Bundeswehr-Soldaten schürte auch bei den traditionellen Ostermärchen die Kritik am deutschen Einsatz in Afghanistan. Die größten Veranstaltungen waren am Samstag in München und Stuttgart mit 1200 beziehungsweise 1500 Teilnehmern, wie ein Sprecher des Ostermarschbüros in Frankfurt am Main mitteilte. Bundesweit fanden Mahnwachen, Kundgebungen und Demonstrationen der Friedensbewegung statt.

Der Geschäftsführer des Netzwerks Friedenskooperative, Manfred Stenner, erklärte in Bonn: "Die Nachrichten zu Ostern erinnern uns an die gern verdrängte brutale Realität des Afghanistankrieges und auch seine Aussichtslosigkeit." Die Menschen in der Friedensbewegung "betrauern den Tod der Bundeswehrangehörigen wie alle anderen sinnlosen Opfer dieses Krieges".

Deutsche Welle

Samstag, 3. April 2010

Afghanistan: Taliban-Hinterhalt und Friendly Fire

"Kriegsähnliche Zustände"?! Dass ich nicht lache. Das ist ein ausgewachsener Krieg, der schon länger andauert als der Zweite Weltkrieg. Kein Ende und keine Besserung sind in Sicht. Die Taliban sind Teil der Bevölkerung, so traurig das auch ist. Ein stabiles Land wird Afghanistan nie werden. Ich sehe die Notwendigkeit, Afghanistan zu befestigen und nicht wieder zum Rückzugsraum für islamische Terroristen werden zu lassen, aber kein Konzept geht auf. Karzai ist nichts weiter als ein krimineller Betrüger, der im Volk kein Ansehen und damit keine Legitimation als Präsident hat. Die von deutschen Polizisten ausgebildeten Sicherheitskräfte wechseln nach ihrer Ausbildung zu den Taliban, da sie dort besser bezahlt werden. Ob von den rund zweihundert Taliban-Kämpfern, die am Hinterhalt beteiligt waren, wohl auch welche von Deutschland ausgebildet wurden?! Das Beste, was aus Afghanistan werden kann, ist eine Militär-Diktatur. Eine Demokratie wird es in diesem ewigen mittelalterlichen dritte Welt Land nicht geben.






Kundus
Bundeswehr tötet afghanische Soldaten
Während der schweren Gefechte bei Kundus, bei denen drei Bundeswehrsoldaten ums Leben kamen, sind auch mindestens fünf afghanische Soldaten getötet worden. Deutsche eröffneten aus Versehen das Feuer auf die Verbündeten.


Wie das Einsatzführungskommando am Samstag in Potsdam mitteilte, verließen am Freitag um 19.21 Uhr (16.51 MESZ) deutsche Soldaten das Feldlager in Kundus, um die seit dem Mittag in Gefechte verwickelten Soldaten abzulösen. Auf dem Weg in den Unruhedistrikt Schahar Dara, wo die Kämpfe stattfanden, fuhren zwei zivile Fahrzeuge auf die Deutschen zu und hielten trotz „durchgeführter Sicherheits- und Identifizierungsverfahren“ nicht an.

Vorfall wird untersucht

Daraufhin eröffnete ein Schützenpanzer das Feuer auf eines der Fahrzeuge. Wie sich später herausstellte, handelte es sich bei den zivilen Autos um Fahrzeuge der afghanischen Armee. Dabei wurden nach Angaben der Bundeswehr fünf Afghanen getötet. Der Gouverneur der Provinz Kundus sprach von sechs Toten. Das Einsatzführungskommando wollte mit Hinweis auf laufende Untersuchungen keine weiteren Angaben darüber machen, wie es zum Tod der afghanischen Soldaten kam.

Die vier deutschen Soldaten, die bei den schweren Kämpfen am Karfreitag schwer verwundet wurden, sollen am Samstagnachmittag nach Deutschland ausgeflogen werden. Eine Patrouille hatte eine Straße in Schahar Dar nach versteckten Sprengsätzen abgesucht, um den Bau einer Brücke vorzubereiten. Aus den umliegenden Häusern wurde das Feuer auf die Soldaten eröffnet. Während des anschließenden Gefechts mit etwa 200 Taliban-Kämpfern fuhr eines der gepanzerten Fahrzeuge der Bundeswehr über eine Sprengladung. Die Gefechte waren am späten Abend beendet. Insgesamt wurden drei Soldaten getötet, neben den vier Schwerverletzten wurden vier weitere Soldaten leicht verletzt.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hatte sich bestürzt geäußert. Ihr Mitgefühl gelte den Angehörigen der getöteten und verwundeten Soldaten. Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) erklärte, angesichts von Gefechten dieses Ausmaßes werde deutlich, wie gefährlich der notwendige Einsatz in Afghanistan sei.

Der Distrikt Schahar Dara liegt nur wenige Kilometer vom Bundeswehrstützpunkt Kundus entfernt und ist ein Rückzugsgebiet der Taliban. Von dort gab es immer wieder Angriffe und Anschläge auf Bundeswehrsoldaten.

Focus

Freitag, 4. Dezember 2009

Minarett-Verbote und Afghanistan


Es gibt einen kleinen, aber feinen Unterschied zwischen "Anhängern des Islams" und "Islamisten". Erstere zählen zu dieser Glaubensgemeinschaft, unter letzterer Bezeichnung versteht man gewaltbereite, militante Fundamentalisten, also diejenigen, die sich auch als Islamo-Faschisten beschreiben lassen.
Natürlich gibt es auch gemäßigte Muslime, das habe ich nie in Frage gestellt. Jedoch musst man ganz klar sehen, dass die sogenannte "islamische Welt" (als die werden alle Staaten mit Staatsreligion Islam bezeichnet, zieht sich von Nordafrika bis Indonesien), niemals etwas hatte, dass der Aufklärung ähnlich gewesen ist. Die Aufklärung hat bei uns im 17. und 18. Jahrhundert bewirkt, dass der Klerus und die Kirche einen Großteil ihrer Macht verloren haben und religiöse Paradigmen hinterfragt werden konnten und sich erst so die Wissenschaft in ihrer heutigen Pluralität entwickeln konnte. Staat und Kirche wurden getrennt und diesen Laizismus suchst du in islamischen Ländern vergebens. Einzige Ausnahme bildet hier die säkulare Türkei, die in den 1920er Jahren von Kemal Atatürk "befreit" worden ist.
Ausserdem möchte ich hier auch Max Weber und seine Überlegungen zu gesellschaftlicher Differenzierung nennen: Im Westen hat sich durch die Aufklärung die Kultur zu einer Teilung der Arbeit entwickelt. Das heißt, dass für die Fertigung eines Produkts für jeden einzelnen Arbeitsschritt ein eigener Arbeiter eingesetzt wird. Damit wurde es nicht nur möglich, die Produktionsmengen massiv zu erhöhen, sondern das brachte rückwirkend auch Individualisierung für die Menschen mit sich. Jeder Arbeiter war sich nun bewusst, dass er ein Teil des Ganzen mit spezifischer Aufgabe war. Das hat auch insofern auf die Gesellschaft zurückgeschlagen, dass sich nun eine Hochkultur der Dichter und Denker entwickelt hat. In "orientalen" Gesellschaften war es bis vor noch nicht allzulanger Zeit so, dass alle Arbeiter ungefähr das Gleiche konnten und somit austauschbar waren. Weber spricht hier von "mechanischen" (Einzelteile ersetzbar) im Gegensatz zu "organischen" (stirbt ein Organ ab, hat das massive Folgen für den ganzen Körper) Gesellschaften. Bis heute zieht sich das noch so durch, dass Muslime wesentlich konsens-orientierter sind und es für sie von absoluter Wichtigkeit ist, in der muslimischen Gemeinschaft nicht mit eigenbrötlerischen Ideen negativ aufzufallen. Diese traditionell-konservativen Denkweisen bedingen auch die Reform-Immunität islamischer Gesellschaften/Länder.

Ich hoffe, ich konnte skizzieren, dass das Problem ist, dass es bei "denen" noch gar nicht angefangen hat: Wer sich mit der religiösen Elite anlegt, muss um sein Leben fürchten.

Die hier immigrierten Türken kommen zu großen Teilen aus ländlichen Regionen der Türkei. Und wie das so ist, sind Menschen auf dem Land ungebildeter und gläubiger (Theodor Adorno hat in den 1960ern in seinem berühmten Aufsatz "Erziehung nach Auschwitz" auch explizit gefordert, die ländliche Bevölkerung zu "entbarbarisieren" (Nette Anekdote: Unter anderem mit diesem Aufsatz wurde die 68er-Revolte losgetreten)). Das bedeutet also, dass die in Deutschland immigrierten Türken keinesfalls das Bürgertum ihres Herkunftslandes waren, sondern einfache, arme Menschen. Nun ist es so, dass die westliche Moderne Deutschlands eine konträre Kulturauffassung zu den strengen, traditionell-islamischen Wertvorstellungen darstellt. Natürlich geht jeder anders damit um, aber es darf nicht verheimlicht werden, dass dies zur Herausbildung von Einwandergemeinschaften geführt hat, die sich nur in ihrer ethnischen Gruppe bewegen, also sogenannten Parallelgesellschaften.
Meine These ist übrigens, dass die "Verwestlichung", also die Orientierung an deutschen Werten und Normen, zwingend erforderlich ist für nachhaltige Integration. Muslime sollen ihre Kultur nicht aufgeben müssen, diese aber auf ein sozial-verträgliches Maß zurückfahren, bedeutet: Religion darf und sollte hinterfragt werden. Frauen dürfen nicht länger unterdrückt werden und das unsinnige, lächerliche und demokratie-feindliche System von Ehre und Schande muss aus den Köpfen gewaschen werden (Die Frau wird als Trägerin der "Familienehre" angesehen. Die Ehre aller Familienangehörigen hängt ab vom Jungfernhäutchen der Tochter. Wenn Sex vor der Ehe stattfindet, bedeutet das bei Muslimen, dass die ganze Familie des Mädchens vor ihrer ethnischen Gruppe/muslimischen Gemeinschaft das Gesicht verliert. Vater und Brüder haben es versäumt das Mädchen tugend- und ehrhaft zu erziehen und sie zu bewachen (muslimische Mädchen stehen im schlimmsten Fall unter permanenter Beschattung durch Verwandte und "Freunde" der Familie). Die Familienehre kann nur wieder hergestellt werden, in dem das Mädchen mit ihrem Bettgefährten verheiratet wird, oder getötet (!) wird. So absurd es sich für uns anhören mag, dies ist bei konservativen Muslimen eine legitime Methode um Ansehen wieder herzustellen. Das hat auch in islamischen Ländern schon dazugeführt, dass vergewaltigte Frauen nach der Scharia (islamische Rechtssprechung, darauf kann ich hier nun wirklich nicht mehr eingehen) schuldig gesprochen wurden und gesteinigt worden sind.). Worauf mein These hinarbeitet ist, dass Deutschland massiv in seine Muslime investieren muss, damit mehr von ihnen Abitur und Studium schaffen und somit später in wichtige und verantwortungsvolle Positionen kommen können, so dass sie verstehen, dass diese Wertvorstellungen Humbug sind (und auch nicht mehr die Zeit und Energie haben, sie durchzusetzen). Natürlich darf man auch die muslimischen Elternhäuser nicht aus der Verantwortung nehmen. Solche Verbrechen müssen verfolgt werden und ich begrüße es sehr, dass durch Minarett-Verbote und Sarazzin-Pamphlete endlich mal eine gesellschaftliche Diskussion zum Umgang mit Muslimen entsteht!



Sobald westliche Soldaten abziehen und der inkompetente afghanische Präsident Karzai es immer noch nicht geschafft haben sollte, Militär und Polizei aufzubauen, wird das Land wieder in die Herrschaft extremistischer Islamo-Faschisten übergehen. Das sollte jedem klar sein.

Sonntag, 1. November 2009

Karsai kommt mit Wahlbetrug durch


Einige werden vielleicht wissen, dass der von den Amerikanern nach dem Sturz der Taliban in Afghanistan installierte Übergangspräsident Hamid Karsai bei den ersten demokratischen Wahlen in diesem Land vor wenigen Wochen massiv betrogen hat. Karsai erhielt tausende Stimmen, die nirgendwo abgegeben wurden. Das war ein harter Schlag ins Gesicht der westlichen Besatzer, die immerhin tausende Soldaten im Land stationiert haben, die ihr Leben für eine Scheindemokratie riskieren und auch viel zu oft schon verloren haben.
Eine Stichwahl sollte die Legitimität der Regierung sichern, doch der einzige Herausforderer Abdullah ist nun davon zurückgetreten, da er wieder mit Betrug rechnet.
Vielleicht ist Afghanistan einfach noch nicht reif für eine Demokratie. So wichtig der Kampf gegen die Taliban und El Kaida auch ist, die westlichen Besatzungsmächte sollten sich ein anderes Zugpferd suchen.
Afghanistan: Amerika hält weiter an Karsai fest

Die Vereinigten Staaten werden den nächsten Präsidenten Afghanistans unterstützen - auch wenn dieser wieder Hamid Karsai heißen wird. Denn Karsais einziger Herausforderer Abdullah Abdullah hat sich aus der Stichwahl zurückgezogen. Für Experten ist das ein herber Rückschlag für die Demokratisierung Afghanistans.


[...]

Nach Angaben der Wahlkommission und des Präsidentenpalasts wird die Abstimmung trotzdem stattfinden, womit Karsai als einzig verbliebener Kandidat die Wahl für sich entschieden hat. Der sich abzeichnende Streit über die Legitimität des Präsidenten dürfte das Land aber mitten im Kampf gegen die wieder erstarkenden Taliban politisch lähmen. Abdullah sagte, er habe sich die Entscheidung zum Rückzug nicht leicht gemacht. Mit gebrochener Stimme und Tränen in den Augen erklärte er vor Hunderten Anhängern, er habe die Entscheidung im „Interesse der Nation“ gefällt. Er habe starke Zweifel an der Glaubwürdigkeit des Wahlprozesses.

[...]

Der Rückzug hatte Zweifel an der Legitimität der Wiederwahl Karsais ausgelöst. Karsai hatte nach langem Zögern in die Stichwahl am 7. November eingewilligt. Zuvor war ihm auch von internationalen Beobachtern Wahlbetrug in der ersten Runde vorgeworfen worden. Derzeit sind etwa 67 000 Amerikaner und 42 000 Alliierte am Hindukusch im Einsatz, darunter rund 4000 aus Deutschland.
„Es ist ein schockierender Rückschlag für die Anstrengungen des Westens und ihrer Verbündeten, eine Demokratie in Afghanistan zu errichten“, sagte Analystin Norine MacDonald von der Denkschmiede „The International Council on Security and Development“. Der Wahlprozess müsse mangels Glaubwürdigkeit gestoppt und die Abstimmung wiederholt werden.

Quelle