In einer Forendiskussion könnte man dem Ganzen viel besser folgen. Jetzt schreien alle durcheinander.
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Mittwoch, 18. August 2010
Donnerstag, 12. August 2010
Sozialisationsbedingungen in islamischen Ländern
Niedlich, die Kleine. Doch warum trägt sie mit dreieinhalb Jahren schon ein Kopftuch? Und warum vertritt sie in diesem frühen Alter schon einen aufkeimenden Antisemitismus? Die Antwort ist simpel: Indoktrination, die im frühesten Alter beginnt. So wird unsere Welt vergiftet.
Dienstag, 10. August 2010
Hamburger Islamrat solidarisch mit Terroristen
Der Hamburger Islamrat zeigt sich verärgert über die Schließung der Taiba-Moschee, in der unter anderem Mohammed Atta, Todespilot des 11. September 2001, konspirative Treffen abhielt. Natürlich hätte diese Moschee schon vor Jahren geschloßen werden sollen, aber man fragt sich doch, auf welcher Seite der Islamrat eigentlich steht. Hauptsache dagegen.
Hamburger Islam-Rat kritisiert Moschee-Schließung
Hamburg (dpa/lno) - Der Rat der islamischen Gemeinschaften in Hamburg - die Schura - hat die Schließung der Taiba-Moschee in der Hansestadt scharf kritisiert. «Man fragt sich ernsthaft, welchen Nutzen das hat», sagte Schura-Vorstandsmitglied Norbert Müller am Dienstag. «Wer dorthin gegangen ist, hat auf dem Präsentierteller der Sicherheitsbehörden gesessen. Man hatte alle im Blick.» Die Moschee nun zu schließen und ihren Trägerverein zu verbieten, halte er für «erheblich symbolische Politik». «Dass dort agitiert wurde, wusste man seit den Anschlägen vom 11. September 2001. Aber man hat neun Jahre nichts unternommen.» Die Attentäter um Todespilot Mohammed Atta hatten sich regelmäßig in der ehemaligen Al-Quds-Moschee getroffen.
Welt Online
Mittwoch, 4. August 2010
Drei Dinge über den Islam
Zufällig habe ich dieses Video entdeckt. Scheint gut recherchiert zu sein, auch, wenn es sehr alarmistisch wirkt. Trotzdem sind die angesprochenen Punkte Diskussionen wert:
Donnerstag, 8. Juli 2010
Frankreich: Ein Imam kämpft gegen die Burka
Frankreich
Ein Imam kämpft gegen die Burka
Als einziger Imam in Frankreich befürwortet Hassen Chalghoumi ein Burka-Verbot. Dafür bezahlt er einen hohen Preis: Chalghoumi erhält Morddrohungen, seine Moschee in der Pariser Vorstadt wird immer wieder von Extremisten belagert. Doch der Imam lässt sich nicht beirren. Für ihn hat der Ganzkörperschleier nichts mit Glauben zu tun. Er beraube Frauen ihrer Freiheit. Chalghoumi tritt für einen aufgeklärten Islam ein und bemüht sich auch um gute Beziehungen zur jüdischen Gemeinde.
Video hier
Freitag, 21. Mai 2010
Everybody Draw Mohammed Day 2010 - Ein erstes Fazit
Vorgestern, am 20.5.2010, war der erste sogenannte "Everybody Draw Mohammed Day", wahlweise auch mit Muhammad geschrieben, an dem zehntausende Internetnutzer den heiligen Propheten des Islam so malen sollten, wie sie ihn sich vorstellen. Jegliche Darstellung des Propheten ist im Islam strengstens untersagt und doch behaupten einige, da niemand mit Sicherheit sagen kann, wie Mohammed aussah, sei jede Zeichnung eine Mohammed-Karikatur. Doch alles der Reihe nach.

Eine der über 11.000 Karikaturen: Ein patriarchalischer Prophet, der schamlos Frauen versklavt.
Bei aller Unsensibilität gegenüber gläubigen Muslimen noch eine der harmloseren Darstellungen.
Die "South Park"-Zensur und ihre Folgen
Den Grundstein für diese außergewöhnliche Aktion legte Comedy Central. Wenige Wochen zuvor sollten die Jubiläumsfolgen 200 und 201 der Ulk-Cartoon-Serie South Park über die amerikanischen Bildschirme flimmern. Die Serie ist für ihren derben Humor bekannt und vor allem auch dafür, vor nichts und niemandem Respekt zu haben.
Die Jubiläumsdoppelfolge hat eine an sich nicht ernstnehmbare Handlung: Die Kinder identifizieren bei einem Schulausflug in South Parks Kuchenfabrik Hollywood Star und Ober-Scientologen Tom Cruise als einfachen Arbeiter am Fließband, der sich angegriffen fühlt als solcher bezeichnet zu werden. Nachdem er South Park mit Klagewellen droht, die der Stadt das finanzielle Rückgrat brechen, schmiedet er einen finsteren Plan: Als Schuldenerlass soll South Park den Propheten Mohammed fangen, damit Tom Cruise sich von ihm die Fähigkeit des Nicht-kritisiert-werden-könnens stehlen kann.
In den besagten South Park Episoden ging es folglich nicht um den Propheten an sich, sondern um das Abbildungsverbot und somit standen die Folgen in der Tradition der dänischen Karikaturen aus dem Jahre 2005, die in der islamischen Welt nach Instrumentalisierung und Indoktrination durch radikale Imame schwere Proteste mit über 100 Toten auslöste, in der sogar dänische und norwegische Botschaften in Flammen gesetzt wurden. Mehr zu den damaligen Geschehnissen hier.
Nachdem bekannt wurde, dass der Prophet Mohammed gezeigt werden sollte, erhielt Comedy Central von Drohungen von der Islamisten-Website revolutionmuslim. Die für ihre Radikalität bekannten Konvertiten, die diese Seite betreiben schickten "keine Drohung, aber eine Warnung", dass die South Park Macher Matt Parker und Trey Stone wie Theo van Gogh, der im November 2004 nach Veröffentlichung des mit Ayaan Hirsi Ali produzierten Filmes "Submission" brutal auf offener Strasse ermodert wurde, enden können, wenn sie den Propheten zeigen. In dem Schreiben veröffentlichte revolutionmuslim die Anschriften des Comedy Central Studios und einiger Mitarbeiter. Auch wenn dies eindeutig eine Morddrohung war, war alles so schwammig formuliert, dass rechtlich nicht gegen die Betreiber von revolutionmuslim vorgegangen werden konnte.
Comedy Central ließ sich von den Drohungen einschüchtern und zensierte die beiden "South Park"-Folgen eigenmächtig und gegen den Willen Parkers und Stones mit der Begründung der Sorge um das Wohl seine Mitarbeiter.
Auf das Einknicken des Senders vor der Extremisten folgte ein Sturm der Entrüstung. Ist es richtig, dass die religiösen Gefühle einer Glaubensgemeinschaft gewahrt werden müssen? Müssen die Bewohner der westlichen Hämisphere, die sich in jahrhundertelangen Kämpfen ihrer Rechte frei zu denken, frei zu forschen, frei ihre Gedanken zu verbreiten blutig gegenüber der katholischen Kirche erkämpfte, Rücksicht auf ein Kultursytem nehmen, welches seit Jahrhunderten in mittelalterlichen Dogmen gefesselt ist, unfähig sich von diesen zu befreien? Könnten die Karikaturen nicht vielleicht sogar ein Denkanstoß, eine Art "Zivilisationskatalysator" sein? Viele Internetnutzer sahen die elemantaren Rechte der freien Meinungsäußerung, der Kunst- und Pressefreiheit in Gefahr. In den Tumulten dieser frühen Tage wurde Revolutionmuslim gehackt und der geneigte Besucher auf eine Seite mit Kurt Westergaards berühmter Karikatur weitergeleitet. Gerüchte besagen, dass die Scherz-Community 4Chan dafür verantwortlich war.
Doch Widerstand regte sich auch von anderer Seite: Die aus Seattle stammende Karikaturistin Molly Norris entwarf ein Plakat (siehe unten), welches den 20. Mai 2010 zum "Everybody Draw Mohammed Day" erklärte. Die Idee hinter ihrem Cartoon war, dass radikale Islamisten niemals alle Internetnutzer bedrohen könnten, wenn diese koordiniert an einem Tag ihre Werke publizierten. Als Molly Norris die Konsequenzen dieser Aktion klar wurden, distanzierte sie sich rasch von dem Vorhaben, entschuldigte sich bei den Muslimen und erklärte den Tag für abgeblasen. Das Plakat an sich sei satirisch gemeint und niemals ein wirklicher Aufruf gewesen. Auch wenn ihr niemand zum Vorwurf machen kann, dass sie um ihr Leben fürchtete, fand die Idee regen Anklang und war nicht mehr aufzuhalten.

Es gründete sich eine Facebook-Seite zum "Everybody Draw Mohammed Day", die zuerst etwa 15.000 Anhänger hatte und am Tag des Events über 100.000 Anhänger erreichte. Die Aktion sprach sich schnell im Internet herum und wurde viral. So fanden sich bei unter anderem bei YouTube kontrovers diskutierte Plädoyers für die Teilnahme an der Aktion, die zur Verteidigung der westlichen Freiheit stilisiert wurde, was bei der aufgeheizten Situation nicht weiter verwunderlich war. Ein besonders gelungenes Exemplar gibt es hier zu sehen:
Der Angriff auf Lars Vilks
Für einen zusätzlichen Anheizer dürfte Mitte Mai der Angriff auf den schwedischen Karikaturenzeichner Lars Vilks gesorgt haben, der von einem Fundamentalistenmob auf einer Veranstaltung zum Thema "Die Grenzen der Meinungsfreiheit" der Universität Uppsala attackiert wurde. Gegen Vilks gibt es auf Grund seiner Zeichnung, die Mohammed mit Hundekörper auf einem Kreisverkehr zeigt, seit Jahren Morddrohungen. Unmittelbar nach den Geschehnissen des Vortrages wurde Vilks Haus mit Brandsätzen beschädigt. Die Täter sind verdächtigt zwei 19 und 20 Jahre alte Kosovaren zu sein, von denen sich einer beim Anschlag selbst so schwere Brandverletzungen zu zog, dass er ein Krankenhaus aufsuchen musste, in dem er direkt von der Polizei verhaftet wurde.
Reaktionen der muslimischen Welt
Bei vielen Muslimen löste das Bekanntwerden der Aktion Unverständnis und Empörung aus. Die Reaktionen reichten von Kopfschütteln bis Morddrohungen gegen die Karikaturisten, die angesichts der Masse von Zeichnern allerdings als unmöglich gelten. Auf Facebook, das unfreiwilligerweise zum Werkzeug und Hauptquartier der Karikaturisten wurde, bildeten sich mehrere Gegengruppen, die ein Verbot und eine Abschaffung der "Everybody Draw Mohammed"-Gruppe forderten. Diese Gruppen erreichten teilweise eine ähnlich hohe Mitgliederanzahl wie die Aktionsgruppe selbst.
Das islamische Land Pakistan sperrte sogar von Staatswegen Facebook, später auch YouTube und 450 andere Seiten, denen vorgeworfen wurde "gotteslästerliche Inhalte" bereitzustellen. Pakistan setzte Facebook massiv unter Druck und drohte damit, die Sperrung frühestes aufzuheben, wenn diese die "Everybody Draw Mohammed"-Gruppe löschten.
Der Aktionstag an sich war ein voller Erfolg für die Karikaturenbewegung. Es wurden weit über 11.000 Karikaturen eingestellt, bei denen von einem bloßen Portrait eines bärtigen Mannes mit Turban (der beliebteste Mohammed-Stereotyp) bis zu beleidigenden Bildern, die Mohammed beim Analverkehr mit Schweinen oder Al-Kaida-Führer Osama Bin Laden zeigen, alles vorhanden war. Diese als gezielte Provokation verstandene Aktion trug fruchtbare Ergebnisse im Internet: In vielen größeren Foren wurde von den Nutzern darüber diskutiert, ob die im Islam verbotene Darstellung des Propheten verwerflich ist oder im Jahre 2010 unproblematisch sein sollte. Jeder, schien eine Meinung zu den Vorgängen zu haben, was allein schon als Erfolg gesehen werden muss.
Facebooks Dolchstoß
In der muslimischen Welt wurde auf Grund der Proteste wieder von Tausenden aufgebrachten Muslimen demonstriert und westliche Flaggen verbrannt. "Der Westen" wurde wie schon 2005 für diese unglaubliche Provokation verteufelt und Einschüchterungsversuche gestartet. Das unten eingefügte Video zeigt die Geschehnisse in Pakisten. Junge, offensichtlich schlecht gebildete Muslime protestieren in religiösem Eifer gegen die Heresie gegenüber dem Propheten. Die Menschen dort sind der festen Überzeugung, es würde einen Unterschied machen, ob ihr heiliger Prophet gezeichnet oder nicht. Einer der Geistlichen schwört seine jungen Schüler sogar schon darauf ein, dass diese sich später für den Propheten im Kampf gegen den Westen und die freie Meinungsäußerung opfern müssten - was zweifelsohne ein Skandal mit barbarischem Anstrich ist.
Klicken für "Protests in Pakistan as Facebook anger grows"
In der Nacht auf den 21. 5. kam dann das Unvorstellbare, wenn ich nicht Unvorhersehbare. Facebook löschte die Gruppe des "Everybody Draw Mohammed Day" und stellte sich somit in eine Reihe mit Comedy Central. Der Islamismus hat durch sein lautes Schreien wieder einmal über die Meinungs- und Kunstfreiheit gesiegt. Wahrscheinlicher scheint aber der ökonomische Verlust in Pakistan zu sein, den Facebook durch die Sperrung verzeichnen dürfte. Facebook sieht es also so, dass Meinungsfreiheit dort aufhört, wo Geld Verdienen beginnt.
Und was hat es gebracht?
Der "Everybody Draw Muhammad Day" hat das Internet (und damit die Weltgemeinschaft) bewegt. Der ewige Kampf zwischen Demokratie und Theokratie, der das bestimmende Thema dieses Jahrhunderts ist, ging damit in eine neue Runde: Die Karikaturen-Aktion polarisierte, verursachte quer über die Welt Diskussionen und trieb allein dadurch schon die geistige Vorbereitung der islamischen Welt für Säkularisierung voran. Facebooks unglückliche Entscheidung kleinbei zu geben, dürfte auch seine positiven Seiten haben: Die Chancen stehen nicht schlecht, dass der Tag sich jährlich wiederholen wird und die Aktivisten werden sich eine neue Zentrale suchen, die sich nicht so einfach abstellen lässt. Freidenkende Menschen werden auch in Zukunft einen Rückfall in vormoderne Gesellschaftsstadien zu verhindern wissen, in dem sie sich nicht von religiösen Fanatikern das Wort verbieten lassen, die "ohnehin nicht mehr können als sich mit Dreck zu bewerfen und im Kreis zu stampfen", wie es ein Aktivist ausdrückte.
Der Everybody Draw Mohammed Day 2010: So provozierend, so kontrovers, so nötig.
subjektivekommentare.blogspot.com am 22.5.2010
Update (24.5.2010): Scheint als wäre Facebook nicht für die Löschung der Gruppe verantwortlich gewesen. Die Gruppe ist wieder hergestellt:

Eine der über 11.000 Karikaturen: Ein patriarchalischer Prophet, der schamlos Frauen versklavt.
Bei aller Unsensibilität gegenüber gläubigen Muslimen noch eine der harmloseren Darstellungen.
Die "South Park"-Zensur und ihre Folgen
Den Grundstein für diese außergewöhnliche Aktion legte Comedy Central. Wenige Wochen zuvor sollten die Jubiläumsfolgen 200 und 201 der Ulk-Cartoon-Serie South Park über die amerikanischen Bildschirme flimmern. Die Serie ist für ihren derben Humor bekannt und vor allem auch dafür, vor nichts und niemandem Respekt zu haben.
Die Jubiläumsdoppelfolge hat eine an sich nicht ernstnehmbare Handlung: Die Kinder identifizieren bei einem Schulausflug in South Parks Kuchenfabrik Hollywood Star und Ober-Scientologen Tom Cruise als einfachen Arbeiter am Fließband, der sich angegriffen fühlt als solcher bezeichnet zu werden. Nachdem er South Park mit Klagewellen droht, die der Stadt das finanzielle Rückgrat brechen, schmiedet er einen finsteren Plan: Als Schuldenerlass soll South Park den Propheten Mohammed fangen, damit Tom Cruise sich von ihm die Fähigkeit des Nicht-kritisiert-werden-könnens stehlen kann.
In den besagten South Park Episoden ging es folglich nicht um den Propheten an sich, sondern um das Abbildungsverbot und somit standen die Folgen in der Tradition der dänischen Karikaturen aus dem Jahre 2005, die in der islamischen Welt nach Instrumentalisierung und Indoktrination durch radikale Imame schwere Proteste mit über 100 Toten auslöste, in der sogar dänische und norwegische Botschaften in Flammen gesetzt wurden. Mehr zu den damaligen Geschehnissen hier.
Nachdem bekannt wurde, dass der Prophet Mohammed gezeigt werden sollte, erhielt Comedy Central von Drohungen von der Islamisten-Website revolutionmuslim. Die für ihre Radikalität bekannten Konvertiten, die diese Seite betreiben schickten "keine Drohung, aber eine Warnung", dass die South Park Macher Matt Parker und Trey Stone wie Theo van Gogh, der im November 2004 nach Veröffentlichung des mit Ayaan Hirsi Ali produzierten Filmes "Submission" brutal auf offener Strasse ermodert wurde, enden können, wenn sie den Propheten zeigen. In dem Schreiben veröffentlichte revolutionmuslim die Anschriften des Comedy Central Studios und einiger Mitarbeiter. Auch wenn dies eindeutig eine Morddrohung war, war alles so schwammig formuliert, dass rechtlich nicht gegen die Betreiber von revolutionmuslim vorgegangen werden konnte.
Comedy Central ließ sich von den Drohungen einschüchtern und zensierte die beiden "South Park"-Folgen eigenmächtig und gegen den Willen Parkers und Stones mit der Begründung der Sorge um das Wohl seine Mitarbeiter.
Auf das Einknicken des Senders vor der Extremisten folgte ein Sturm der Entrüstung. Ist es richtig, dass die religiösen Gefühle einer Glaubensgemeinschaft gewahrt werden müssen? Müssen die Bewohner der westlichen Hämisphere, die sich in jahrhundertelangen Kämpfen ihrer Rechte frei zu denken, frei zu forschen, frei ihre Gedanken zu verbreiten blutig gegenüber der katholischen Kirche erkämpfte, Rücksicht auf ein Kultursytem nehmen, welches seit Jahrhunderten in mittelalterlichen Dogmen gefesselt ist, unfähig sich von diesen zu befreien? Könnten die Karikaturen nicht vielleicht sogar ein Denkanstoß, eine Art "Zivilisationskatalysator" sein? Viele Internetnutzer sahen die elemantaren Rechte der freien Meinungsäußerung, der Kunst- und Pressefreiheit in Gefahr. In den Tumulten dieser frühen Tage wurde Revolutionmuslim gehackt und der geneigte Besucher auf eine Seite mit Kurt Westergaards berühmter Karikatur weitergeleitet. Gerüchte besagen, dass die Scherz-Community 4Chan dafür verantwortlich war.
Doch Widerstand regte sich auch von anderer Seite: Die aus Seattle stammende Karikaturistin Molly Norris entwarf ein Plakat (siehe unten), welches den 20. Mai 2010 zum "Everybody Draw Mohammed Day" erklärte. Die Idee hinter ihrem Cartoon war, dass radikale Islamisten niemals alle Internetnutzer bedrohen könnten, wenn diese koordiniert an einem Tag ihre Werke publizierten. Als Molly Norris die Konsequenzen dieser Aktion klar wurden, distanzierte sie sich rasch von dem Vorhaben, entschuldigte sich bei den Muslimen und erklärte den Tag für abgeblasen. Das Plakat an sich sei satirisch gemeint und niemals ein wirklicher Aufruf gewesen. Auch wenn ihr niemand zum Vorwurf machen kann, dass sie um ihr Leben fürchtete, fand die Idee regen Anklang und war nicht mehr aufzuhalten.

Es gründete sich eine Facebook-Seite zum "Everybody Draw Mohammed Day", die zuerst etwa 15.000 Anhänger hatte und am Tag des Events über 100.000 Anhänger erreichte. Die Aktion sprach sich schnell im Internet herum und wurde viral. So fanden sich bei unter anderem bei YouTube kontrovers diskutierte Plädoyers für die Teilnahme an der Aktion, die zur Verteidigung der westlichen Freiheit stilisiert wurde, was bei der aufgeheizten Situation nicht weiter verwunderlich war. Ein besonders gelungenes Exemplar gibt es hier zu sehen:
Der Angriff auf Lars Vilks
Für einen zusätzlichen Anheizer dürfte Mitte Mai der Angriff auf den schwedischen Karikaturenzeichner Lars Vilks gesorgt haben, der von einem Fundamentalistenmob auf einer Veranstaltung zum Thema "Die Grenzen der Meinungsfreiheit" der Universität Uppsala attackiert wurde. Gegen Vilks gibt es auf Grund seiner Zeichnung, die Mohammed mit Hundekörper auf einem Kreisverkehr zeigt, seit Jahren Morddrohungen. Unmittelbar nach den Geschehnissen des Vortrages wurde Vilks Haus mit Brandsätzen beschädigt. Die Täter sind verdächtigt zwei 19 und 20 Jahre alte Kosovaren zu sein, von denen sich einer beim Anschlag selbst so schwere Brandverletzungen zu zog, dass er ein Krankenhaus aufsuchen musste, in dem er direkt von der Polizei verhaftet wurde.
Reaktionen der muslimischen Welt
Bei vielen Muslimen löste das Bekanntwerden der Aktion Unverständnis und Empörung aus. Die Reaktionen reichten von Kopfschütteln bis Morddrohungen gegen die Karikaturisten, die angesichts der Masse von Zeichnern allerdings als unmöglich gelten. Auf Facebook, das unfreiwilligerweise zum Werkzeug und Hauptquartier der Karikaturisten wurde, bildeten sich mehrere Gegengruppen, die ein Verbot und eine Abschaffung der "Everybody Draw Mohammed"-Gruppe forderten. Diese Gruppen erreichten teilweise eine ähnlich hohe Mitgliederanzahl wie die Aktionsgruppe selbst.
Das islamische Land Pakistan sperrte sogar von Staatswegen Facebook, später auch YouTube und 450 andere Seiten, denen vorgeworfen wurde "gotteslästerliche Inhalte" bereitzustellen. Pakistan setzte Facebook massiv unter Druck und drohte damit, die Sperrung frühestes aufzuheben, wenn diese die "Everybody Draw Mohammed"-Gruppe löschten.
Der Aktionstag an sich war ein voller Erfolg für die Karikaturenbewegung. Es wurden weit über 11.000 Karikaturen eingestellt, bei denen von einem bloßen Portrait eines bärtigen Mannes mit Turban (der beliebteste Mohammed-Stereotyp) bis zu beleidigenden Bildern, die Mohammed beim Analverkehr mit Schweinen oder Al-Kaida-Führer Osama Bin Laden zeigen, alles vorhanden war. Diese als gezielte Provokation verstandene Aktion trug fruchtbare Ergebnisse im Internet: In vielen größeren Foren wurde von den Nutzern darüber diskutiert, ob die im Islam verbotene Darstellung des Propheten verwerflich ist oder im Jahre 2010 unproblematisch sein sollte. Jeder, schien eine Meinung zu den Vorgängen zu haben, was allein schon als Erfolg gesehen werden muss.
Facebooks Dolchstoß
In der muslimischen Welt wurde auf Grund der Proteste wieder von Tausenden aufgebrachten Muslimen demonstriert und westliche Flaggen verbrannt. "Der Westen" wurde wie schon 2005 für diese unglaubliche Provokation verteufelt und Einschüchterungsversuche gestartet. Das unten eingefügte Video zeigt die Geschehnisse in Pakisten. Junge, offensichtlich schlecht gebildete Muslime protestieren in religiösem Eifer gegen die Heresie gegenüber dem Propheten. Die Menschen dort sind der festen Überzeugung, es würde einen Unterschied machen, ob ihr heiliger Prophet gezeichnet oder nicht. Einer der Geistlichen schwört seine jungen Schüler sogar schon darauf ein, dass diese sich später für den Propheten im Kampf gegen den Westen und die freie Meinungsäußerung opfern müssten - was zweifelsohne ein Skandal mit barbarischem Anstrich ist.
Klicken für "Protests in Pakistan as Facebook anger grows"
In der Nacht auf den 21. 5. kam dann das Unvorstellbare, wenn ich nicht Unvorhersehbare. Facebook löschte die Gruppe des "Everybody Draw Mohammed Day" und stellte sich somit in eine Reihe mit Comedy Central. Der Islamismus hat durch sein lautes Schreien wieder einmal über die Meinungs- und Kunstfreiheit gesiegt. Wahrscheinlicher scheint aber der ökonomische Verlust in Pakistan zu sein, den Facebook durch die Sperrung verzeichnen dürfte. Facebook sieht es also so, dass Meinungsfreiheit dort aufhört, wo Geld Verdienen beginnt.
Und was hat es gebracht?
Der "Everybody Draw Muhammad Day" hat das Internet (und damit die Weltgemeinschaft) bewegt. Der ewige Kampf zwischen Demokratie und Theokratie, der das bestimmende Thema dieses Jahrhunderts ist, ging damit in eine neue Runde: Die Karikaturen-Aktion polarisierte, verursachte quer über die Welt Diskussionen und trieb allein dadurch schon die geistige Vorbereitung der islamischen Welt für Säkularisierung voran. Facebooks unglückliche Entscheidung kleinbei zu geben, dürfte auch seine positiven Seiten haben: Die Chancen stehen nicht schlecht, dass der Tag sich jährlich wiederholen wird und die Aktivisten werden sich eine neue Zentrale suchen, die sich nicht so einfach abstellen lässt. Freidenkende Menschen werden auch in Zukunft einen Rückfall in vormoderne Gesellschaftsstadien zu verhindern wissen, in dem sie sich nicht von religiösen Fanatikern das Wort verbieten lassen, die "ohnehin nicht mehr können als sich mit Dreck zu bewerfen und im Kreis zu stampfen", wie es ein Aktivist ausdrückte.
Der Everybody Draw Mohammed Day 2010: So provozierend, so kontrovers, so nötig.
subjektivekommentare.blogspot.com am 22.5.2010
Update (24.5.2010): Scheint als wäre Facebook nicht für die Löschung der Gruppe verantwortlich gewesen. Die Gruppe ist wieder hergestellt:
This page
was removed two days ago, after one of our moderators had his email and skype
hacked. His personal data was revealed. He then got scared and deleted the
...page, the blog and the emails. The rest of us, are now back without him after
he backed out. This is another scare tactic from the Islamic
extremists. We won't fall.
A great big thank you to the facebook-gang for restoring the page. A great big thank you to all freedom lovers out there. Now we have new persons to handle the media and we will soon release some info about the past few days. And to all of you: One can never beat freedom of speech, opinion and idividuality, because they are all basic human rights.
Labels:
Everybody Draw Mohammed Day,
Islam,
Karikaturen,
Pakistan
Donnerstag, 13. Mai 2010
Abdel-Samad: Der Koran gehört aus der Politik verbannt
«Geburtsfehler kann man nicht heilen»
Der Koran gehöre aus der Politik verbannt und auf die Privatsphäre beschränkt, sagt der Imam-Sohn Hamed Abdel-Samad.
«Unfähig, nach innen zu schauen»: Politologe und Buchautor Hamed Abdel-Samad.
Herr Abdel-Samad, was halten Sie von einem Burkaverbot?
Die Burka ist für mich ein trauriges Symbol. Aber ein Verbot bringt nichts, denn Kernprobleme werden so nicht gelöst.
Was symbolisiert denn die Burka?
Sie steht für eine rückständige Mentalität. Die Trägerin sagt damit: «Ich lebe in meiner eigenen Welt. Mich verbindet mit euch nichts, nicht einmal ein Blick.»
Was ist denn das Kernproblem?
Die weltliche Seite des Islam und die Demokratie vertragen sich wie Spinat und Tiramisu.
Das müssen Sie erklären.
Im Islam gibt Gott die Gesetze und Regeln vor, nach denen die Menschen zu leben haben und denen sie sich unterwerfen müssen. In der Demokratie aber geben sich die Menschen die Gesetze selber durch Verhandeln und durch gesunden Menschenverstand! Im Islam ist die Religion nicht verhandelbar und steht über dem Staat.
Nur eine Minderheit vertritt dies.
Ja, aber die sogenannt liberalen Muslime hört man kaum. Sie lassen sich von ein paar Dutzend Fundamentalisten, die den Ton angeben, an der Nase herumführen, und jetzt haben wir den Salat.
Wieso bleibt die Mehrheit still?
Zum einen fühlen sich diese Menschen nicht verpflichtet, sich zu jeder Schandtat, die im Namen des Islam begangen wird, zu äussern. Zum anderen können sie sich dort mit den Extremisten identifizieren, wo diese gegen den Westen wettern. Auch viele Liberale suchen die Sündenböcke für ihre eigene miese Situation im Westen. Teilweise ist das nachvollziehbar, wenn man bedenkt, was Kolonialisierung und Kriege angerichtet haben. Die Mehrheit der Muslime ist unfähig, nach innen zu schauen. Kaum jemand fragt sich: «Gibt es möglicherweise einen Geburtsfehler in unserem Glauben?»
Im Klartext: Sind der Islam und ein säkularer Verfassungsstaat vereinbar?
Der Islam hat eine spirituelle Seite, die zeitlos ist und heute noch Geltung hat. Diese ist wohl mit dem säkularen Staat und mit der Verfassung vereinbar, weil sie keine politischen Ansprüche erhebt. Die weltlich-juristische Seite allerdings hat im 21. Jahrhundert nichts zu suchen. Viele Muslime haben damit ein Problem. Hier entsteht die Unvereinbarkeit, hier fangen die Konflikte an.
... etwa mit radikalen Organisationen wie dem Islamischen Zentralrat, der muslimische Einwanderer zweiter Generation und Konvertiten anzieht. Worin besteht die Faszination?
Die moderne Welt überfordert viele Menschen, sie sind halt- und orientierungslos. Kommt dann eine biografische Wende hinzu wie etwa der Verlust der Freundin, sind viele Jugendliche anfällig für die Botschaften der Extremisten. Diese bieten eine Gemeinschaft mit klaren Anweisungen, einen klaren Glauben, der keine Zweifel zulässt. Und sie bieten auch Wärme und Anerkennung. Plötzlich heisst es: «Gott braucht dich!» Sie fühlen sich erwachsen und wichtig – die Extremisten können ihnen dann fast alles abverlangen.
Wie kommt man da wieder raus?
Nur durch geistige Stärke. Ich selber war auch einst Mitglied der radikalen Muslimbruderschaft in Ägypten. Mit 20 ging ich durch Kairo und schrie: «Tod den Juden!» Mein Vorteil war, dass ich den Koran auswendig kannte, mein Vater war Imam in Gizeh. Es kann mir so schnell keiner irgendetwas erzählen über den Koran.
Auch in der Schweiz verfallen junge Menschen dem Extremismus.
Die Orthodoxie ist tief im Islam verankert. Wir werden in Sachen Fundamentalismus schnell rückfällig. Sobald wir in einer Lebenskrise sind, kehren wir in die Moschee zurück. Nur deswegen ist man noch kein Staatsfeind, aber doch bereits anfällig für fundamentalistische Botschaften.
Verheilt der «Geburtsfehler»?
Nein, einen Geburtsfehler kann man nicht einfach heilen. Reformen funktionieren nie wirklich, ohne sich mit den Ursprüngen zu befassen. Die entscheidende Frage ist: Wann ist was schiefgelaufen im Islam? Wann wurde dem Glauben die Intoleranz gegen Andersgläubige eingepflanzt? Wieso ist es so schwierig, den Widerspruch zur Demokratie zu überwinden? Daran müssen wir arbeiten. Es bringt nichts, wenn wir an einzelnen Koranversen schrauben und glauben, dann würde der Islam demokratiefreundlich.
Was braucht es dann?
Wie wurde das Christentum aufgeklärt? Die katholische Kirche hat nicht freiwillig die Macht abgegeben, sie wurde entmachtet, weil die Menschen frei sein und selber denken wollten. Danach hat sie getrennt von der Staatsmacht ihre neue Rolle finden müssen. Und aus einer Position der Macht heraus wird sich auch der Islam nicht verändern. Wir müssen die Unantastbarkeit der Religion brechen. Der Islam ist nicht dazu gemacht, in der modernen Welt eine politische oder juristische Rolle zu spielen. Ich will den Koran nicht abschaffen, aber wir müssen ihn neutralisieren und in die Privatsphäre zurückdrängen.
Hamed Abdel-Samad, 38, wuchs in Kairo auf und studierte in Deutschland Politologie und Geschichte und lebt auch dort. Sein aktuelles Buch: «Mein Abschied vom Himmel», Fackelträger
Weltwoche
Dienstag, 4. Mai 2010
Samstag, 17. April 2010
Soziologin Kelek kritisiert Islam als frauenfeindlich
Soziologin Kelek kritisiert Islam als frauenfeindlich
Die Soziologin Necla Kelek sieht Frauen in keiner anderen Kultur so diskriminiert wie im Islam. Sie hätten keine Rechte und seien aus der Öffentlichkeit ausgeschlossen. "Das ist mehr als rückständig, das ist Apartheid", so Kelek. Sie führt das Problem auf die rückständigen Texte des Korans zurück.
Die Soziologin rechnet mal wieder mit dem Islam ab
Die türkisch-deutsche Soziologin Necla Kelek hat muslimische Gesellschaften als frauenfeindlich kritisiert. „Ich kenne keine andere Kultur, die die Frauen so sehr diskriminiert“, sagte Kelek der in Düsseldorf erscheinenden „Rheinischen Post“. Frauen hätten nach dem Welt- und Menschenbild, das die Männer als ihre Religion produzierten, keine Rechte.
Die Verschleierungspflicht für Frauen sei für sie das Erniedrigendste, was es gibt, sagte die Publizistin. Die Frau werde aus der Öffentlichkeit ausgeschlossen und habe unsichtbar zu sein. „Das ist mehr als rückständig, das ist Apartheid.“
Kelek bestreitet, dass eine solche Sicht auf die Stellung der Frau auf einer Fehlinterpretation des Korans beruhe. Der Koran sei da eindeutig, sagte sie. „Wenn die Frau nicht gehorcht, so heißt es, dann schlagt sie und sperrt sie in die Gemächer.“
Kelek macht die Islamverbände mit dafür verantwortlich, dass die Integration in die deutsche Gesellschaft bis heute nicht geklappt habe. „Sie waren es, die schon vor 25 Jahren in den Moscheen einen rückständigen Islam verbreitet haben“, sagte sie.
Die Soziologin bewertet die von Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) gewählten Kernthemen für die Deutsche Islamkonferenz als „sehr gut“. Wichtig seien Fragen wie die Gleichberechtigung von Mann und Frau sowie die Imam-Ausbildung an deutschen Universitäten, „damit wir auch säkulare Vorbeter haben“.
Welt
Link: Volles Interview
Donnerstag, 8. April 2010
Türkischer Islam will Fesseln des Staates sprengen
Was ist nur los in dieser religionsverrückten Welt? Konsequente Säkularisierung würde bedeuten, dass der Staat ebenso wenig Recht hat in die Religion einzugreifen, wie die Religion dies beim Staat hat. Allerdings sehe ich keine andere Möglichkeit. Der Islam ist mit Abstand die rückständigste und machtgierigste aller Religionen, von daher sollen die Fesseln des Staates bleiben, um ein Rückfallen der modernen Türkei in die Steinzeit islamischer Religionsdiktatur zu verhindern.
Radikale Pläne
Türkischer Islam will Fesseln des Staates sprengen
Die 110.000 Imame in der Türkei haben revolutionäre Pläne. Sie wollen sich dem Zugriff der Regierung entziehen, verlangen mehr Geld, Macht, politische Immunität und einen gewählten Ober-Geistlichen. Kritiker befürchten, dass es in der Türkei zu einer neuen Ära radikaler politischer Agitation kommen könnte.
Für westlich orientierte Türken ist eine eigenständige religiöse Autorität eine Schreckensvision
Auf der Internetseite des türkischen Ministerpräsidentenamtes steht ein 29seitiger Gesetzentwurf für eine Reform des Direktorats für religiöse Angelegenheiten, kurz „Diyanet“. Der Entwurf – und im Hintergrund das Drängen der 110.000 Imame des Landes – sind Vorboten tiefgreifender Änderungen, die das gesellschaftliche Leben in der Türkei spürbar verändern könnten. Es geht darum, dass die Imame mehr Geld, Macht und Einfluss wollen.
Lütfü Senocak, Vorsitzender der Imam-Vereinigung Din-Bir-Sen, nickt eifrig, als ich es wiederhole, um sicher zu sein, es richtig verstanden zu haben: Er wünscht statt des bisher vom Staat ernannten Diyanet-Chefs dessen Wahl durch die Imame. Ein gewählter Diyanet-Chef hätte viel mehr Gewicht und Einfluss in der Politik. Genau, sagt Senocak: „Wir haben nichts gegen den gegenwärtigen Diyanet-Chef Ali Bardakoglu, uns geht es um das Prinzip.“
Säkulare Kritiker verziehen bei dieser Forderung das Gesicht – Staatsgründer Atatürk hatte gezielt das Kalifat als zentrale religiöse Autorität abgeschafft, weil er im Islam die Quelle aller Rückständigkeit erblickte. Eine eigenständige religiöse Autorität ist eine Schreckensvision für westlich orientierte Türken.
Die gegenwärtige Regierungspartei AKP ist islamisch geprägt, entstand gar aus einer fundamentalistisch eingestellten Vorgängerpartei. Viele Forderungen der Imame will sie offenbar annehmen. Aber diese eine nicht – der Diyanet-Chef soll weiterhin von der Regierung ernannt werden und dem Staat dienen, nicht Gott oder den Gläubigen.
Zwei wichtige Wünsche der Imame sollen möglicherweise Wirklichkeit werden: Freies Predigen und eine begrenzte Immunität. „Gegenwärtig erhalten alle Imame eine zentral redigierte Freitagspredigt von der Behörde und müssen sie den Gläubigen vorlesen“, sagt Senocak. Es ist ein weiteres Erbe der Reformen Atatürks, der sicherstellen wollte, dass der Islam keine eigene Stimme hat, sondern nur den Willen des Staates verkündet.
Die verordneten Predigten entsprechen aber nach Meinung der Imame nicht dem „wahren Islam“: „Geistliche können in religiösem Dingen (den Gläubigen) nicht die Wahrheit sagen“ heißt es in einer Eingabe Senocaks an die Religionsbehörde. Um das zu ändern, sollten sie „am Donnerstag selbst eine Predigt schreiben, um sie dann am Freitag mit den Gläubigen zu teilen“. Das, so sagt Senocak, würde den „Enthusiasmus“ steigern und die Gemeinschaft der Gläubigen enger zusammenfügen.
Offenbar würde es auch die Politik berühren, denn Senocak fordert eine begrenzte Immunität für Prediger, und der Gesetzentwurf sieht genau das vor. Es ist nur ein kurzer Satz: Angestellte der Religionsbehörde – also alle Imame – werden strafrechtlich anderen Beamten gleichgesetzt. Das bedeutet, dass eine Strafverfolgung nur mit Einwilligung ihres Vorgesetzten erfolgen kann, also mit Erlaubnis des Diyanet-Chefs.
Verhaltensregeln des Islam
Was aber könnte strafbar sein an der Verkündung des wahren Islam? Senocak windet und windet sich, zehnmal frage ich ihn nach einem Beispiel, er gibt keines. „Wir brauchen die Immunität in unserer Arbeit mit Kindern“, gibt er zu verstehen, „um ihnen die Bestimmungen und Verhaltensregeln des Islam beizubringen“.
Aber als ich nicht lockerlasse und unbeirrt ein konkretes Beispiel fordere für derzeit strafbares Predigen, meint er plötzlich, entgegen seiner eigenen Eingabe an die Behörde: „Wir brauchen gar keine Immunität. Es genügt die freie Freitagspredigt.“ Thema abgeschlossen.
Religionsunterricht für Kinder ist ein heikles Thema, unter der AKP-Regierung wurden zahlreiche illegale Koranschulen legalisiert – nach Meinung von Kritikern wurde dabei nicht geprüft, was dort eigentlich gelehrt wird. Nun fordern die Imame Geld vom Staat für die legalisierten Schulen: „Wir lehren die Kinder“, sagt Senocak, „und fordern daher, auch finanziell mit Lehrern gleichgestellt zu werden.“ Auch die Imame selbst wollen mehr Geld.
Keine Reaktion auf Reformpläne
Türkische Politiker haben auf die Reformpläne bislang kaum reagiert, die Medien ebenso wenig. Am größten was das Echo bislang im Ausland, als eine Nachrichtenagentur eine knappe Meldung darüber absetzte.
Also fragte ich Mustafa Sarigül, einen sozialliberalen Politiker, der diesen Sommer eine mit Interesse erwartete Partei gründen will und überall im Land Massenveranstaltungen organisiert, um für sich zu werben. Es war offenbar eine problematische Frage: „Sollte die Türkei freie Freitagspredigten zulassen oder beim alten Modell bleiben?“
Sarigül nahm zweimal Anlauf, ehe er dann doch klar Position bezog: „Also, ich gehe ja jeden Freitag in die Moschee. Erst wird der Behördentext vorgelesen, drei Minuten oder so. Dann erzählt der Imam alles Mögliche. Ich muss sagen, da bekommt man mitunter die wildesten Sachen zu hören. Die Ausbildung unserer Imame ist sehr schlecht, und ich denke, bis sich das ändert, sollten wir beim alten Modell der behördlich vorgeschriebenen Predigt bleiben.“
Wann aber kommt denn die große Imam-Reform? Senocak meint, erst müsse die Regierung die gegenwärtig im Parlament vorliegenden Verfassungsänderungen durchbringen, dann käme gleich als nächstes die Diyanet-Reform.
Warum erst die Verfassung geändert werden muss, das ist verständlich – die AKP ist bereits einmal vom Verfassungsgericht wegen „antisäkularer Umtriebe“ verurteilt und bestraft worden. Die Verfassungsreform wird diesen Tatbestand als Grund für Parteischließungen abschaffen und das Verfassungsgericht politisch gefügig machen – seine Struktur wird verändert.
Dann kann die Imam-Reform kommen. Kritiker fürchten, dass sie der Türkei eine neue Ära radikaler politischer Agitation durch Imame bescheren wird. Die Regierung hofft, dass es ein weiterer Schritt in Richtung Religionsfreiheit wird.
Freitag, 2. April 2010
Vorauseilende Islamophobie
Islamophobie, die Angst vor dem Islam, wird viel zu oft von politisch korrekten Gutmenschen als Totschlagargument gebraucht. In diesem Artikel führt Achsen-Autor Rainer Bohnhorst ein interessantes Gedankenexperiement durch: Was ist dann Islamophilie? Werden alle Mitglieder des belgischen Parlaments bald zu islamophoben Rassisten und Hetzern?
Vorauseilende Islamophobie
Lassen wir mal beiseite, ob wir türkische Schulen brauchen oder wollen oder nicht. Lassen wir auch beiseite, ob es nun doch die eine oder andere türkische Schule in Deutschland geben wird, weil die Bundeskanzlerin mit einer Friedenstaube in Ankara angetreten ist. Widmen wir uns lieber der Frage, warum Angela Merkels spontane Ablehnung türkischer Schulen in Deutschland bei Recep Erdogan als “Hass auf die Türkei” ankam.
Hass! Wie kann ein kleines Nein ein so großes Wort hervorrufen? Ganz einfach: Es ist der gleiche Vorgang, der zum inflationären, ja frivolen Gebrauch des Begriffs Islamophobie zu tun. (Die Turkophobie oder der Türkenhass ist ja eine Untergruppe oder Sonderform der Islamophobie.) Es braucht nicht viel, den Titel der Islamophobie zu bekommen. Er wird von den Moslems wenigstbietend verschleudert. Ein bisschen Kritik am Islam, und sei sie noch so angebracht, wird im Handumdrehen zum Symptom einer bösen Islamo- oder Turkophobie. Und entsprechend wird, wer wagt, nein zu sagen, im Handumdrehen zum großen Hassenden.
Man könnte das als morgenländisch-poetischen Umgang mit der Sprache abtun, ließen wir uns in Europa diese Methode nicht aufschwätzen. Wir haben sie uns längst zu eigen gemacht.
Die Folgen zeigen sich besonders deutlich im Umkehrschluss. Wie werde ich ein Freund des Islam, wie werde ich islamophil? Indem ich zu allem ja und amen sage. Liebe, so gesehen, bedeutet, die eigenen Sitten, Gebräuche und Grundsätze, also das eigene Ich, in den Hintergrund zu schieben, um dem geliebten Freund zu Diensten zu sein.
Zwei schöne Beispiele solchen selbstlosen, ja selbstaufopfernden Liebesbeweise möchte ich aus England bringen.
Das erste Beispiel handelt von einem Konflikt zwischen einer Krankenschwester und ihrem Arbeitgeber, dem staatsnahen National Health Service. Dieser NHS hat der Krankenschwester verboten, bei der Arbeit eine Halskette mit - dezentem - Kreuz zu tragen. Der gleiche Arbeitgeber akzeptiert aber freudig, dass moslemische Krankenschwestern ihre Arbeit mit Kopftuch verrichten. Die christliche Kreuzträgerin wurde von ihrer bisherigen “Tätigkeit am Menschen” entfernt und in ein menschenfernes berufliches Abseits befördert. Die moslemischen Kopftuchträgerinnen blieben unbehelligt. Dieser aktuelle Fall einer vorauseilenden Islamophilie und einer damit einhergehenden Verleugnung eigener Tradition wurde von führenden Geistlichen im “Telegraph” beklagt. Demnächst kommt er vor ein weltliches Gericht.
Mein zweites Beispiel vorauseilender Islamophilie auf Kosten eigener Tradition handelt von der Furcht, nicht “feinfühlig” zu sein oder gar als rassistisch zu gelten. So berichtete kürzlich die “Daily Mail” von einem neuen Verhaltenskodex der Polizei in der Grafschaft Kent. Der Kodex verpflichtet die Beamten unter anderem, ihre Kundschaft nicht mehr nach ihrem “christian name” zu fragen, obgleich dies hierzulande der übliche Begriff für einen Vornahmen ist. Jetzt soll es nur noch neutral den “first name” geben. Auch die im Königreich weit verbreitete Sitte, Frauen (und Männer) mit “love” oder “darling” anzureden, muss die Polizei in Kent ablegen und durch weniger menschliche unpersönliche Begriffe ersetzen. Eine Muslima, so wird vermutet, will kein “darling” sein und ein Moslem kann keinen “christian name” haben. Daraus folgt nach dem Gesetz der Selbstaufgabe messerscharf, dass es polizeilicherseits nun gar keinen “christian name” mehr geben kann, und dass - jedenfalls in Kent - keine Engländerin mehr ein “darling” sein darf. Die bisherigen “darlings” wurden natürlich nicht gefragt, was sie von diesem Liebesentzug halten.
Ganz und gar in den Bereich der Satire gehört die Geschichte von dem Starwars-Fan, der einer Gruppe angehört, die ihre Film-Begeisterung zur Religion erhoben hat. Sie verehren die Jedi, tragen wie diese Filmgestalten weite Kapuzen, und sagen zueinander: “May the force be with you.” Ein solcher Jedi-Jünger wurde kürzlich eines Kaufhauses verwiesen, weil er seine Kapuze, seinen “hood” nicht abnehmen wollte. Die Verkäufer verwiesen auf ein allgemeines “Hood-Verbot”, als Notmaßnahme gegen so verhüllte Hooligans und Ladendiebe. Der Jedi-Jünger erklärte, es sei seine religiöse Pflicht, die Kapuze zu tragen. Das Kaufhauspersonal, offenbar noch nicht ganz vom Elexier des Absurden durchdrungen, warf ihn kurzerhand aus dem Laden. Dann aber kam das wunderbare Nachspiel, inszeniert in der höheren und politisch bewussteren Geschäftsetage: Die Geschäftsführung der Kaufhauskette entschuldigte sich bei dem Hinausgeworfenen schriftlich und in aller Form. Sie bedauerte, dass die “religiösen Gefühle” des Jedi verletzt wurden und versprach Besserung. Damit war der Weg von der einfachen Selbstverleugnung hin zur kompletten Narretei vollzogen.
Den entgegengesetzten Weg schlägt nun Belgien ein. Selbst auf die Gefahr hin, als Hassende und von der Islamophobie Befallene zu gelten, hat das dortige Parlament beschlossen, die moslemischen Ganzkörperzelte Burka und Nikab per Gesetz aus dem öffentlichen Leben zu verbannen. Könnte dies der Anfang vom Ende dieses entwürdigenden und frauenverachtenden Textilgefängnisses auf Europas Straßen sein? Frankreich hat ja auch schon entsprechende, wenn auch weniger entschlossene Schritte unternommen. Oder wird die gesamte belgische Politik, einschließlich der Grünen, die mit von der Partie sind, als rechtspopulistische Islam-Hasser verdammt? Droht Europa eine Spaltung in Burkaphobe und Nikabphile?
Ich möchte heute schon Partei ergreifen und den Belgiern zurufen: May the force be with you.
Die Achse des Guten
Donnerstag, 1. April 2010
Belgien plant radikales Verbot der Burka
Absolut dafür. Es wird Zeit ein Zeichen gegen radikalen Islamismus zu setzen. Und Burkas sind ein Zeichen für Radikalität und Normvorstellungen, die nicht mit der aufgeklärten Moderne vereinbar sind. Ich hoffe, dass weitere europäische Regierungen sich ein Beispiel an diesem Gesetzesentwurf nehmen.
Verschleierung
Belgien plant radikales Verbot der Burka
In Frankreich wird seit Monaten um ein Burka-Verbot gerungen. Belgien macht jetzt ernst – und geht dabei radikaler vor als das Nachbarland. Per Gesetz soll es muslimischen Frauen, die den Ganzkörperschleier tragen, zum Beispiel verboten werden, Bus oder Bahn zu fahren. Wer die Regel ignoriert, muss mit hohen Strafen rechnen.
Hinter einer Burka ist das Gesicht einer Frau fast vollständig verdeckt
Als erstes Land in Europa will Belgien muslimische Frauen mit Ganzkörperschleier aus dem öffentlichen Leben verbannen. Wer sich komplett verhüllt, soll beispielsweise nicht mehr in Bussen und Bahnen fahren dürfen. Auch für Schulen, Krankenhäuser und Einkaufszentren dürfte es bald heißen: Zutritt verboten. Wer die Regel ignoriert und erwischt wird, muss 25 Euro Strafe zahlen oder bis zu sieben Tage ins Gefängnis. Ein Kopftuch ist dagegen weiter erlaubt.
Das überwiegend katholische Belgien geht dabei radikaler als der große Nachbar Frankreich vor, wo seit Monaten um ein Burka-Verbot gerungen wird. Belgien will das afghanische Traditionsgewand Burka und den Vollschleier mit Augenschlitz (Nikab) viel umfassender verbannen und schneller zur Tat schreiten: Am Mittwoch nahm der Innenausschuss des Parlaments den Entwurf an und schon Mitte April soll das Plenum der Volksvertretung das Verbot aussprechen.
„Dies ist ein starkes Signal an Islamisten“, sagte Denis Ducarme von der liberalen Partei MR. Die Abgeordneten sind der Auffassung, jeder Bürger müsse in der Öffentlichkeit jederzeit identifizierbar sein – aus Gründen der öffentlichen Sicherheit. Dahinter steht auch die Furcht vor Anschlägen muslimischer Extremisten.
Sehr eng sind die Regeln, die der Gesetzesvorschlag steckt. Ohne die Burka zu nennen, soll das Verbot für jede Person gelten, die in der Öffentlichkeit „ihr Gesicht ganz oder teilweise verbirgt oder verschleiert, so dass man sie nicht mehr identifizieren kann“, heißt es wörtlich. Ausgenommen sind ausdrücklich Motorradfahrer und Feuerwehrleute – also Menschen, die von Berufs wegen einen Helm oder eine Maske tragen müssen.
Schon 2004 hat die Regionalregierung in Flandern den Gemeinden erlaubt, das Tragen der Burka in der Öffentlichkeit zu untersagen. Belgiens zweitgrößte Stadt Antwerpen, eine Hochburg des ausländerfeindlichen Vlaams Belang, setzte dies gleich um. 2008 musste eine Muslimin in der flämischen Gemeinde Maaseik 125 Euro Bußgeld zahlen. Ihr Vergehen: Sie war mit Burka auf die Straße gegangen.
Argumente gegen den Schleier gibt es viele: Als „Gefängnis“ oder „Symbol für Unterdrückung“ betrachten Kritiker die Burka, die die Augen mit Gitterschleiern bedeckt. „Wir machen Schluss mit der Selbstverleugnung der Frau“, sagte Eric Thiebaut von den Sozialisten. Im Kern geht es in der Debatte um die Frage, ob die Frauen zum Tragen des Schleiers gezwungen werden oder dies freiwillig tun.
Der Kampf gegen den Schleier vereint eine überraschend große politische Mehrheit in Belgien. Eine breite Koalition von Christdemokraten, Liberalen und Sozialisten befürwortet das Verbot. Selbst die Grünen stimmten am Mittwoch dafür – auch wenn sie fürchten, dass es verfassungswidrig sein könnte.
Klar scheint, dass der harte Kurs Belgiens Verfassungsrichter oder den Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte auf den Plan rufen könnte. Genau daran könnte der Vorstoß in Frankreich noch scheitern. Vor wenigen Tagen hatte der französische Staatsrat ein Burka-Verbot als juristisch anfechtbar kritisiert – es sei nur für bestimmte Orte und für bestimmte Behördengänge zu rechtfertigen.
Die belgischen Muslime, die in dem überwiegend katholischen Land fünf Prozent stellen, sind über den Vorstoß der Abgeordneten geteilter Meinung. Viele fürchten,dass ein solches Gesetz latente Islamophobie wecken könnte. „Die muslimischen Einwanderer fühlen sich heute in Belgien schlecht gelitten und stigmatisiert“, schrieb Nordin Maloujahmoun, ehemaliger Präsident der Exekutive der Muslime Belgiens. Das Bild des ehrlichen muslimischen Arbeiters sei „durch das des Verbrechers ersetzt worden“.
Dabei ist die Debatte so hitzig, dass kaum jemand auf die Realitäten in Belgien schaut. Im Alltagsleben sind Frauen in Burka praktisch nie auf den Straßen anzutreffen. Bei der EU-Kommission, die ihren Sitz in der belgischen Hauptstadt hat, rief das geplante Burka-Verbot Schulterzucken hervor. Auf die Frage, ob sich auch Mitarbeiter der europäischen Behörde nicht mehr verhüllen dürfen, sagte eine Kommissionssprecherin etwas ratlos: „Dazu habe ich keinen Kommentar.“
Welt
Dienstag, 30. März 2010
Kritiker des Islam: Unsere heiligen Krieger
Der Vollständigkeit halber hier der Artikel von Claudius Seidl, der im Januar eine abstrakte Debatte angestossen hat, ob die Kritik am Islam überhaupt gerechtfertigt oder zu übertrieben sei.
Kritiker des Islam
Unsere heiligen Krieger
Von Claudius Seidl
10. Januar 2010
Seit ich das Vorwort zur Taschenbuchausgabe von Henryk M. Broders Sachbuch „Hurra, wir kapitulieren!“ gelesen habe, erwarte ich stündlich einen Anruf dieses Herrn: „Aha, Sie glauben also auch an diese abscheuliche Religion, deren Anhänger in Irland schon wieder Bomben werfen, die Teufelsaustreibung immer noch im Programm haben und in Polen junge Frauen terrorisieren, die aus Not und Verzweiflung abgetrieben haben?“
„Wenn Sie den Katholizismus meinen: der lehnt Bomben ab und fordert zum Verzeihen auf. Und den Teufel sehen wir auch differenzierter.“ „Warum weisen Sie dann diese Verbrecher nicht in die Schranken?“ „Wenn Sie mir die Adresse sagen, schicke ich gern Protestnoten an alle IRA-Splittergruppen, Abtreibungsgegner und auch an die letzten Exorzisten. Ich bin mir sicher, das wird Eindruck machen.“
Eine zynische Aussage
Natürlich wäre ein solches Telefongespräch selbst Henryk M. Broder zu bescheuert - aber genau so, nur auf eine andere Religion übertragen, funktioniert die Logik, mit welcher Broder begründen will, warum er jede Unterscheidung zwischen Islam und Islamismus als irrelevant zurückweist: Ja, klar, die allermeisten Muslime, 99,9 Prozent, wie Broder kurz mal schätzt, seien friedliche Menschen, welche von den 0,1 Prozent nur als Geiseln genommen würden. Aber, so Broder weiter, da müsse man doch mal „die logische Anschlussfrage stellen, warum sich 99,9 Prozent von 0,1 Prozent missbrauchen und als Geiseln nehmen lassen, ohne die kleine radikale Minderheit in Schranken zu weisen . . .“
Mal abgesehen davon, dass, was Broder da als Logik bezeichnet, so absurd ist, dass man sich fragt, ob der Autor wirklich selber daran glaubt, ist die Aussage, die in der Frage steckt, nicht nur falsch, sie ist auch zynisch. Weitaus die meisten Opfer, die der Terror im Namen Allahs fordert, haben selber an Allah geglaubt - weil man aber Menschen, deren Waffe ein Sprengstoffgürtel ist oder ein Auto voller Dynamit, an dessen Steuer sie selber sitzen, nur schwer für ihre Taten vor Gericht stellen kann, sind es die vermuteten und vermeintlichen Hintermänner, die in ägyptischen und irakischen Gefängnissen sitzen. Und die Frau in Bagdad, deren Sohn gerade von einer Autobombe zerfetzt worden ist; die junge Afghanin, die sich fürchtet davor, dass die Taliban, falls sie siegten, sofort die Schulen wieder schließen würden: Die haben womöglich andere Sorgen, als dass sie Zeit fänden, dem Herrn Broder im fernen Deutschland zu versichern, wie dringend sie dieTerroristen in die Schranken weisen möchten.
Ein System mit totalitärem Anspruch
Man könnte jetzt Henryk M. Broders gesammelte Meinungen als irrelevant zurückweisen, schon weil dieser Autor mit dem Anfertigen sogenannter Pointen (eine seiner besten: der Islam verhalte sich zum Islamismus wie der Terror zu Terrorismus) zu beschäftigt ist, als dass er Zeit fände für einen klaren Gedanken oder eine wirklich schlüssige Analogie - wenn Broder nicht nur besonders derb und drastisch formulierte, was auch andere behaupten, Menschen, die tatsächlich etwas vom Islam verstehen, weil sie in muslimischen Ländern aufgewachsen sind, unter muslimischen Sitten und Unsitten gelitten haben und ihre Meinungen mit eigener Erfahrung begründen können, Frauen also wie die sympathische Necla Kelek, Deutsche türkischer Herkunft, oder Ayaan Hirsi Ali, die niederländische Autorin und Politikerin somalischer Herkunft, die am eigenen Leib spüren musste, welche Grausamkeiten eine patriarchalische Gesellschaft im Angebot haben kann.
Necla Kelek besteht auf der kategorischen Unterscheidung zwischen dem, was der Westen unter Religion versteht, und dem Islam, der eben mehr sei, nicht bloß ein Glaube, ein Bekenntnis, sondern ein System mit totalitärem Anspruch, welches Unterwerfung fordere, von jedem Einzelnen wie von der ganzen Gesellschaft; eine Ideologie, mit der Kompromisse wie die Trennung von Kirche und Staat und die Freiheit eines jeden, zu glauben, was er wolle, leider nicht möglich seien: Der Terror und der sogenannte Ehrenmord, die Unterdrückung der Frau und der Hass auf alle Ungläubigen, das seien nicht etwa Auswüchse, sondern nur besonders unangenehme Merkmale des Islams.
Ayaan Hirsi Ali ist neulich, in einer Verteidigungsschrift fürs Schweizer Minarettverbot, noch weiter gegangen: Das Minarett, so schrieb sie im „Christian Science Monitor“, sei nicht etwa das Pendant zum Kirchturm der Christenheit (obwohl es ja dem gleichen Zweck dient und die architekturgeschichtliche Arbeitshypothese nicht ganz abwegig ist, wonach die Christen, deren Basiliken jahrhundertelang ohne Türme in der Landschaft standen, vom Anblick muslimischer Minarette zur Erfindung des Kirchturms inspiriert worden seien) - vielmehr sei das Minarett als Zeichen zu lesen, als Herrschaftszeichen einer totalitären und verbrecherischen Weltanschauung, vergleichbar nur Hammer und Sichel und dem Hakenkreuz. Auch Ayaan Hirsi Ali ist überzeugt davon, dass, wer den Dschihad, die Ehrenmorde und die Unterdrückung der Frauen nicht will, auch gleich auf den Islam verzichten könne.
Wann ging dann der Dschihad des Westens zu Ende?
Diese Befunde sind schon deshalb deprimierend, weil sie keinen anderen Schluss zulassen, als dass die Muslime in unsere westlichen, säkularisierten Gesellschaften nicht integriert werden können - es sei denn, sie hörten auf, Muslime zu sein. Und als Bewohner der westlichen, säkularisierten Welt, als Deutscher, dessen Begegnungen und Erfahrungen mit der muslimischen Welt sich auf Besuche in Kreuzberg, Istanbul und Brooklyn, ein paar türkisch-deutsche, arabische und pakistanische Freunde, Bekannte, Kommilitonen sowie das intensive Studium der Geschichten aus tausendundeiner Nacht beschränken, als so ein Nichtwisser und Nichtversteher traut man sich erst mal gar nicht, den Kritikern und Feinden des Islams zu widersprechen.
Es muss aber sein, und je genauer man sich die Argumente anschaut, desto klarer wird auch, dass sich die Gegenargumente eher in der westlichen Geistes- und Religionsgeschichte finden, in unseren Verfassungen und Menschenrechtserklärungen - und, nur nebenbei, in der Erinnerung an einige folkloristische Eigenheiten Siziliens, Kalabriens, des Balkans, welche uns darauf weisen, dass ein mörderisches Verständnis von Ehre und Jungfräulichkeit, die Blutrache und die brutale Unterdrückung der Frauen keine Spezialität des Islams sind, sondern dass sich archaische und grausame Formen des Patriarchats in den abgelegenen Gebieten des Südens so lange hielten, bis der Rechtsstaat und die Lockerung der Sitten sich endlich auch dort durchgesetzt hatten (vor kurzem also; oder auch: noch immer nicht ganz).
Nicht jedes Argument ist so leicht zu kontern wie Necla Keleks Vermutung, der Dschihad habe tausend Jahre lang gedauert und sei erst 1683, vor Wien, endlich aufgehalten worden, als die kaiserlichen, die polnischen, badischen und bayerischen Truppen die osmanische Armee schlugen und zurückdrängten. Wenn aber die imperialen Kriege der Osmanen heilig waren: Wann ging dann der Dschihad des Westens zu Ende? Mit der fast vollständigen Ausrottung der Ureinwohner Nordamerikas? Oder mit den letzten Zuckungen des Kolonialismus, der sich ja auch dadurch legitimierte, dass er die Bekehrung und Zivilisierung der Heiden als Ziel vorgab?
Ein Rassismus, seiner selbst nicht bewusst
Schwerer wiegt schon die Forderung, der Islam solle sich gefälligst endlich selbst aufklären; solle seinen Anspruch auf die Scharia und das Supremat über den Staat aufgeben und die universalen Menschen- und Freiheitsrechte anerkennen. Das klingt einerseits vernünftig - und übersieht doch, dass die Aufklärung und Säkularisation des christlichen Abendlandes nicht im Vatikan beschlossen und in den Bistümern und Gemeinden exekutiert wurde, sondern dass dieser Prozess fast tausend Jahre dauerte und dass der Weg dahin gesäumt war mit Scheiterhaufen und Bannflüchen, der heiligen Inquisition und Ketzerprozessen, deren Urteile erst im 20. Jahrhundert aufgehoben wurden. Immerhin war dies ein Konflikt mit offenem Ausgang; wer für die Menschenrechte stritt, durfte sich auf der richtigen Seite glauben und auf eine bessere Zukunft hoffen. Der muslimischen Welt dagegen steht heute der aufgeklärte Westen in seiner ganzen Dialektik schon gegenüber - die Segnungen dieser Aufklärung zu genießen ist, nicht zuletzt wegen der unfähigen, korrupten, diktatorischen und ganz und gar unislamischen Regime, so oft völlig unmöglich; die Nachteile kann man aber auch in Ägypten oder Indonesien sehr gut besichtigen. Und wenn schon wir verwöhnten Westler manchmal leiden am Tempo, dem Druck und der Kälte der westlichen Verhältnisse, sollten wir nicht allzu heftig fordern, dass jeder syrische Bauer aber diese Verhältnisse ganz dringend herbeisehnen möchte. Religion sei Opium fürs Volk, schreibt Broder, der auch seinen Marx nicht kennt. Religion ist aber das Opium des Volkes, der Seufzer der bedrängten Kreaturen, von denen es in der muslimischen Welt zu viele gibt, als dass der Hohn Henryk M. Broders sie noch groß kümmern müsste.
Was uns aber kümmern muss, ist, wenn im Namen der universalen Menschenrechte genau diese Rechte zur Folklore des Abendlands gemacht werden sollen - wenn also einer wie Broder das Prinzip „Wie du mir, so ich dir“ im Umgang mit der muslimischen Welt vorschlägt: Wenn wir Kirchen und Synagogen in Mekka bauen dürfen, lassen wir euch Moscheen in Rom bauen. Wenn unsere Frauen nabelfrei durch Riad bummeln können, lassen wir eure Frauen verschleiert auf die Maximilianstraße. Klingt nur fair, ist aber, erstens, eine Selbsterniedrigung aufs Niveau orientalischer Verhältnisse; zweitens, weil „wir“, nach vollzogener Einbürgerung, eben auch Muslime und Kopftuchträgerinnen sind, ein Rassismus, der sich seiner selbst nur nicht bewusst ist.
Und drittens möchte man da nur noch Voltaire zitieren: Ich mag Ihr Kopftuch nicht. Aber ich werde mein Leben dafür einsetzen, dass Sie sich kleiden dürfen, wie Sie wollen.
Frankfurter Allgemeine Zeitung
Wie ein Comic das Image des Islam verändern will
Superhelden retten die Welt. Aber können Sie auch verändern, wie der Islam weltweit wahrgenommen wird? Der kuwaitische Psychologe und Schriftsteller Naif-Al-Mutawa ist davon überzeugt: er hat einen sehr erfolgreichen Comic entwickelt, in dem 99 Superhelden für eine bessere Welt kämpfen. Die Zahl 99 ist bewusst gewählt: 99 Eigenschaften bzw. Namen werden Allah zugeschrieben.
In einer Region, die Jugendlichen Selbstmordattentäter als Vorbilder präsentiert, bieten Mutawas Comics unblutige Konfliktlösungen. Doch Mutawas Sicht des Islam verärgert die Konservativen. Trotzdem expandiert das Universum der Zeichentrickhelden: 1 Millionen Hefte wurden 2009 verkauft: im Mittleren Osten, Nord Afrika, Asien bis in die Türkei und Frankreich. Inzwischen gibt es auch einen riesigen Themenpark in Kuwait und Endemol produziert eine Zeichentrickserie, die den Erfolg der 99 auch in westliche Länder tragen soll.
Montag, 29. März 2010
Islam-Seminar: «Ohne Kopftuch hatte ich keine Chance»
Das Video ist sehr sehenswert, wenn auch schwer zu verstehen. Sogar Pierre Vogel, der deutsche Shootingstar in der Konvertiten-Szene, ist unter Geheimhaltung zu diesem Seminar angereist. Vor wenigen Monaten noch wurde ihm der Zutritt in die Schweiz verboten.
Islam-Seminar: «Ohne Kopftuch hatte ich keine Chance»
Am vergangenen Wochenende haben über 100 Muslime an einem Bildungsseminar des Islamischen Zentralrats Schweiz teilgenommen. «Schweiz aktuell» war mit zwei Journalistinnen im bündnerischen Disentis vor Ort. Sie wurden nicht mit offenen Armen empfangen. Die Journalistinnen wurden gezwungen, auf öffentlichem Grund ein Kopftuch zu tragen und wurden sogar beschimpft.
Hier klicken für ein 10 Minuten-Video
Die Situation war alles andere als einfach beim dreitägigen Seminar in Disentis. Weil einer der Prediger mit frauenfeindlichen und gewaltbereiten Aussagen zitiert wurde und so in einem kritischen Licht erschien, stand das Schweizer Fernsehen plötzlich als «Hetzmedium» da. Es kam zur öffentlichen Beschimpfung.
zitat
«Weil ich als Journalistin und Frau ohne ein Kopftuch keine Chance hatte, habe ich eins angezogen.»
Rachel Honegger, Redaktorin «Schweiz aktuell»
«Ich war plötzlich dafür verantwortlich, dass manche Medien den Menschen die Worte im Munde umdrehen und Inhalte aus ihrem Kontext gerissen werden», sagt Redaktorin Livia Bättig im Rückblick.
Schwierige Arbeitsbedingungen
Die Interviews wurden deshalb von den Organisatoren des Islam-Seminars gefilmt. Damit wollten sie verhindern, dass aus ihrer Sicht etwas falsch dargestellt wird. «Die meisten Seminarteilnehmer wollten darum auch keine Interviews vor der Kamera geben», erklärt Bättig.
Von Organisatoren gefilmt
Offenbar kontrollierten die Organisatoren auch streng, was der Kameramann filmte. «Ein Schwenk zur Türe, hinter welcher die Frauen sitzen, war verboten», sagt die Redaktorin. Aufnahmen wurden nur nach langem Diskutieren und aus grosser Distanz bewilligt.
«Ich wurde in die Schranken gewiesen»
Auch «Schweiz aktuell»-Redaktorin Rachel Honegger stiess auf deutliche Ablehnung. Sie durfte den Raum, in dem das Seminar abgehalten wurde, während den Vorbereitungen nicht betreten. Honegger weist ausdrücklich darauf hin, dass der Raum öffentlicher Grund ist. Trotzdem bekam sie die Ablehnung zu spüren, weil sie kein Kopftuch trug. «Ich wurde in die Schranken gewiesen, während einem männlichen Journalisten-Kollegen keine Grenzen gesetzt wurden.»
«Weil ich als Journalistin und Frau ohne ein Kopftuch keine Chance hatte, habe ich eins angezogen», sagt die Journalistin. Nur so sah Honegger überhaupt eine Möglichkeit, ihre Arbeit halbwegs in Disentis machen zu können.
«Toleranz braucht es auf beiden Seiten. Dazu gehört auch, dass ich in meiner Rolle als Journalistin auf Schweizer Gemeindeboden ohne Kopftuch ungehindert arbeiten kann», sagt Honegger.
Tagesschau.sf.tv
Sonntag, 28. März 2010
Pat Condell: Verteidiger der westlichen Werte
Eigentlich ist es sehr bezeichnend, dass ein ehemaliger Komiker sagen muss, was die Politiker sich aus Harmoniesucht und falsch verstandenem Gutmenschentum nicht trauen. Pat Condell ist wortgewand und er nimmt kein Blatt vor den Mund. Seine Videos werden bei YouTube hunderttausendfach gesehen und diskutiert. Und eine Diskussion darüber, ob der Islam und die heterogene Masse, die sich als islamisch bezeichnet, überhaupt in eine aufgeklärte Gesellschaft integrierbar sind, muss dringender denn je geführt werden.
Freitag, 19. März 2010
Im Nahen Osten nichts Neues
Obama kommt mit seinem Kuschelkurs nicht wirklich voran. Amerikanische Konservative werden ihm Unfähigkeit und Schlimmeres vor (siehe Video unten, siehe auch hier) und der Nahe Osten kommt wie immer nicht zur Ruhe. Wo bleiben die richtigen Sanktionen gegen den Iran, wo die Unterstützung der Revolutionsbewegung? Und das nicht nur von amerikanischer, sondern auch von europäischer Seite? Lesenswert auch die beiden unteren Artikel.
Leitartikel: Die verheerende Bilanz der amerikanischen Nahost-Politik
Obama versteht die Israelis nicht
Man wird sich schnell darauf einigen können, dass Israels Entscheidung, 1600 Wohneinheiten in Ostjerusalem zu bauen, nicht nur schlecht getimt war, sondern auch in der Substanz wenig hilfreich.Die wütende, gegenüber Verbündeten geradezu unerhörte Reaktion aus Washington ist aber nicht nur weit übertrieben.Sie verrät auch, wie viel Frust sich in der Obama-Regierung angesammelt hat. Man möchte nur zu gerne Israel verantwortlich machen für die mangelnden Resultate der obamaschen Nahost-Politik.
Dabei sind viele Misserfolge das Ergebnis einer gefährlich naiven Politik Washingtons.
Um den Nahost-Friedensprozess wieder flottzumachen, hatte Obama allen Seiten etwas versprochen. In seiner Kairoer Rede hatte er sich für einen israelischen Siedlungsstopp eingesetzt. Die Palästinenser sollten an den Verhandlungstisch zurückkehren, und den Israelis stellte man Gesten des guten Willens und der Annäherung vonseiten arabischer Staaten in Aussicht. Unter erheblichem Druck hat Israel dann einem neunmonatigen Moratorium beim Siedlungsbau im Westjordanland zugestimmt. Das war nicht ganz so viel, wie Obama sich erhofft hatte, aber weit mehr, als jeder Regierungschef vor Benjamin Netanjahu zu geben bereit war. Bekommen haben die Israelis dafür kaum etwas. Die Palästinenser erklärten sich zu "indirekten" Gesprächen bereit, was lächerlich ist, wenn man bedenkt, wer hier eigentlich einen Staat haben will. Das ist nicht zuletzt die Schuld der US-Regierung. Sie hatte den Mund sehr voll genommen mit der Forderung nach einem kompletten Siedlungsstopp. Da konnte Abbas sich nicht nachgiebiger zeigen als die Amerikaner.
Aus der Annäherung der arabischen Staaten wurde gar nichts, sie haben nur ein altes Angebot erneuert. Warum sollten sie sich aus dem Fenster lehnen, wenn Obama ihnen die israelischen Konzessionen frei Haus liefert? Da ist es kein Wunder, wenn die Israelis das Gefühl haben, ihre Zugeständnisse zögen nur Forderungen nach immer neuen Zugeständnissen nach sich, ohne dass sie eine Gegenleistung bekommen.
Sicher: Israel hat dazu beigetragen, das Verhältnis zu belasten, und sollte die kontraproduktive Siedlungspolitik auch in Ostjerusalem beenden. Es ist aber bezeichnend, dass die Wortwahl der US-Regierung gegenüber den friedensfeindlichen Autokratien der Region weit freundlicher ist als gegenüber dem demokratischen Verbündeten. Weder beim Iran noch bei Syrien sind die Amerikaner jedoch vorangekommen. Die Position der Mullahs im Atomstreit hat sich verhärtet. Und auch die Entsendung eines US-Botschafters als Zeichen der Einbindungspolitik gegenüber Syrien wurde nicht honoriert. Stattdessen organisierte Hafis al-Assad in Damaskus ein öffentlichkeitswirksames Treffen mit Irans Mahmud Ahmadinedschad und dem Chef der libanesischen Terrororganisation Hisbollah, um zu zeigen, dass die Terror- und Ablehnungsfront weiter steht.
Das alles sind mehr als Anfängerfehler. Es hat sich gezeigt, dass die Grundannahmen obamascher Nahost-Politik nicht funktionieren. Vor allem hat der Präsident ignoriert, dass dort eine simple Schulhoflogik regiert. Das Abrücken der USA von seinem Bündnispartner führt nicht etwa zu Zugeständnissen von Israels Feinden. Im Gegenteil: Die wittern Morgenluft und sehen sich in ihrer Unbeugsamkeit bestätigt. Obama hat also einen treuen Verbündeten in die Ecke gedrängt, ohne damit etwas voranzubringen. Inzwischen ist gar der Eindruck entstanden, ein "regime change" in Jerusalem sei Obama wichtiger als einer in Teheran oder Damaskus.
Man könnte die Härte Obamas gegenüber Israel vielleicht verstehen, wenn er einen Plan hätte, wie es weitergehen soll. Tatsächlich handelt es sich aber um Politik im virtuellen Raum. Solange die Palästinensergebiete weiter in Fatahstan in der Westbank und Hamastan in Gaza geteilt sind, ist eine Friedenslösung ohnehin undenkbar. Warum sollte Israel einem Palästinenserstaat zustimmen, wenn es dafür nur einen halben Frieden bekommt? Zumal sich auch die Palästinenserführung in der Westbank nicht stark genug fühlt für einen Friedensschluss. Der US-Präsident hat die strategische Position Israels also geschwächt, ohne einen echten Weg zum Frieden aufzeigen zu können. Das ist mehr als nur naiv, es ist fahrlässig.
Welt.de
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Verratene Freiheit: Geleitwort von Henryk Broder
von Henryk M. Broder
Seit Jahren spielt der Iran mit dem Rest der Welt »Katz und Maus«, genau genommen seit mehr als 30 Jahren. Was mit dem Sturz des Schahs und der Rückkehr des Ajatollahs Khomeini aus seinem Pariser Exil nach Teheran begann, wird nun von Mahmud Ahmadinedschad und seinem Regime vollendet: der Aufbau einer Diktatur im Inneren und der Aufstieg des Landes zu einer Atommacht, die nicht nur mit ihren regionalen Nachbarn offene Rechnungen begleichen möchte.
Die europäischen Regierungen, die ihre bilateralen Beziehungen zu Österreich einfroren, als in Wien ein Kabinett unter Beteiligung der »Freiheitlichen« von Jörg Haider gebildet wurde, sehen der Entwicklung im Iran mit der Gelassenheit von Horror-Fans zu, die sich beim Zuschauen ein wenig gruseln, aber hoffen, die Geschichte werde schon irgendwie gut enden. Die einen aus ökonomischen Überlegungen, die anderen aus Rücksicht auf gewachsene historische Beziehungen, wie sie z.B. zwischen Deutschland und dem Iran seit über 100 Jahren gepflegt werden. Die europäische Friedensbewegung bzw. der klägliche Rest, der von ihr übrig geblieben ist, verteidigt das Recht des Iran auf die »friedliche Nutzung der Kernkraft « mit derselben Heftigkeit, mit der sie den Bau von Kernkraftwerken vor der eigenen Haustür bekämpft. Sie verurteilt nicht die Regierung des Iran wegen ihrer brutalen Innen- und aggressiven Außenpolitik, sondern rät den eigenen Regierungen von Sanktionen gegen den Iran ab, die nur zu einer »Eskalation« der Lage führen würden. Die hauptamtlichen Kaffeesatzanalysten, also die Politikberater und die Politikerklärer, betätigen sich gerne als Verharmloser, die über der Wirklichkeit schweben.
Der Nah- und Mittelostexperte Udo Steinbach beispielsweise hat im Jahre 2007 in seiner Eigenschaft als Präsident des Deutschen Orientinstituts in einem Zeitungsinterview erklärt, falls der Iran wirklich nach Atomwaffen strebe, dann nicht, um sie einzusetzen, sondern »um mit dem Westen auf gleicher Augenhöhe verhandeln zu können «. Vor allem ein Satz aus diesem Interview verdient es, für alle Zeiten festgehalten zu werden: »Europa wäre sicher das letzte Ziel, das dem Iran einfallen würde, falls er wirklich aggressive Absichten verfolgen sollte. Wenn eine Atommacht Iran entstünde und für irgendjemanden zur Bedrohung würde, dann eher für seine Nachbarn. Zum Beispiel für eine säkulare Türkei und natürlich für Israel. Ich glaube, dass Europa sich vom Iran in keiner Weise bedroht fühlen müsste.« Wenn es dem Iran also gelingen sollte, die säkulare Türkei oder Israel atomar zu pulverisieren, wäre das der natürliche Gang der Dinge, und solange der nukleare Fallout einen Bogen um das Ferienhaus von Udo Steinbach in der Holsteinischen Schweiz macht, müssen sich auch die übrigen Europäer keine Sorgen um ihr Wohlergehen machen.
Leute wie Steinbach bekommen Flankenschutz von Feuilletonisten wie der Schriftstellerin Katajun Amirpur, die nach sorgfältigem Studium der Ahmadinedschad-Reden zu der Überzeugung gekommen ist, der iranische Präsident wolle mitnichten Israel von der Landkarte austilgen, es würde ihm schon reichen, wenn das zionistische Regime »von den Seiten der Geschichte verschwinden« würde. Geht es um den Iran und seine Politik, scheint der Common Sense aufgehoben, beweist der gemeine Stammtisch oft mehr Sinn für Realitäten als die gebildeten Stände aus Wissenschaft und Politik, die gerne an Konferenzen und Tagungen mit Vertretern des Iran teilnehmen, um zu demonstrieren, dass sie sich »in keiner Weise« bedroht fühlen. Das alles findet vor dem Hintergrund einer politischen Moral statt, die für sich den Anspruch erhebt, aus der Geschichte gelernt zu haben, und den Ruf »Wehret den Anfängen!« zu ihrem Credo erhoben hat. Wird aber der Vergleich zwischen Ahmadinedschad und Hitler gezogen, geht die Antifa sofort in Kampfstellung: Damit werde Hitler verharmlost! In der Bundesrepublik steht zwar die Holocaustleugnung unter Strafe, aber das gilt nur für den letzten, nicht für den nächsten Holocaust. Der wirkliche Unterschied zwischen dem Dritten Reich und dem Iran von heute wird dabei geflissentlich übersehen: Es gab zur Zeit der Nazis kein Internet, keine Handys, mit denen man Filme machen und verschicken konnte, keine E-Mails und kein Skype. An den Rampen der Konzentrationslager standen keine Webcams, um die Ankunft der Transporte live zu übertragen. Der Widerstand war auf Kuriere angewiesen, die ihr Leben riskierten, um Nachrichten von Polen nach England oder umgekehrt zu bringen. Heute hingegen erleben wir alles in Echtzeit: Wir sind dabei, wenn die Twin Towers kollabieren und wenn die Demonstranten in Teheran auf die Straße gehen; wir nehmen an Erhängungen von Homosexuellen und an Steinigungen von Ehebrecherinnen teil. Niemand kann sich darauf berufen, dass die Untaten des Regimes im Halbdunkel unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfinden, denn sie finden bei hellem Tageslicht vor unser aller Augen statt. Mögen die Mullahs auch keine Autobahnen und keine Gaskammern bauen – für das aufgeklärte, historisch alerte Europa müsste es reichen, wie sie die Baha’i behandeln und dass sie nach der Atombombe streben, um – wie Udo Steinbach sagt – »mit dem Westen auf gleicher Augenhöhe verhandeln zu können«.
Dieses Ziel haben sie bereits erreicht. Der Westen droht zwar seit Jahren mit Sanktionen, geht aber jedes Mal in die Knie, wenn die Mullahs zum Gebet rufen. Und so ist er auch der iranischen Protestbewegung in den Rücken gefallen, indem er ihr Freiheitsbedürfnis mit salbungsvollen Worten gewürdigt hat, um es anschließend zu verraten. Gernot Erler etwa, in der Großen Koalition Staatsminister im Auswärtigen Amt, verurteilte das Verhalten der iranischen Autoritäten, lobte den »unglaublichen Mut« der Demonstranten und forderte Maßnahmen, um die »Wahlmanipulation aufzuklären«. Zugleich aber sprach er sich dagegen aus, die diplomatischen Beziehungen zu Teheran abzubrechen: »Das wäre eine völlig falsche Reaktion, denn wir müssen gerade jetzt unsere Kontakte, unsere Möglichkeiten und auch unsere Einflusschancen nutzen, um das Schlimmste zu verhindern.« Was das in der Praxis bedeutet, machte Erler in einem Interview deutlich: »Das Einzige, was die Bevölkerung im Iran, die da so mutig ist, von uns erwarten kann, ist, dass wir das zur Kenntnis nehmen, was da passiert, dass wir darüber reden, dass wir das anprangern.« Das waren klare Worte, wie weit die Bundesrepublik zu gehen bereit ist, um das Teheraner Regime politisch abzumahnen – die Freiheit der Iraner war der deutschen Regierung nicht einmal eine zivile Sanktion wert. Wenn die lange Nacht der Ohnmacht und des Terrors eines Tages vorbei ist, werden sich manche Iraner daran erinnern, dass Gernot Erler im Auftrag der deutschen Regierung ihre Situation »zur Kenntnis« genommen hat.
Ein Auszug aus:
Verratene Freiheit - Der Aufstand im Iran und die Antwort des Westens
Thomas von der Osten-Sacken, Oliver M. Piecha, Alex Feuerherdt
Verbrecher Verlag, 2010
Cicero.de
Montag, 15. März 2010
Der Westen muss die islamische Barbarei abwehren
Warum nur haben es kritische islamische Denker so unheimlich schwer gehört zu werden? Ich höre sie.
Der Westen muss die islamische Barbarei abwehren
Von Ibn Warraq 14. März 2010, 14:50 Uhr
Der Einfluss des Islam nimmt in Europa weiter zu. In Großbritannien existieren bereits 85 Scharia-Gerichte, die völlig unvereinbar mit westlichen Demokratien sind. Will der Westen keinen Selbstmord an seiner eigenen Zivilisation üben, muss er seine Werte verteidigen – wie es ein Geert Wilders tut.
Teilnehmer einer Demonstration gegen Scharia-Gerichte in London
Es ist jetzt 17 Jahre her, seit ich das erste Mal darüber geschrieben habe, was es bedeutet, wenn man sich auf die Forderungen von Muslimen einlässt, die im Westen leben; inzwischen ist offensichtlich, dass viele nicht vorhaben, sich an die sie empfangende Gesellschaft zu assimilieren. Stattdessen beharren sie darauf, dass sich das Gastland anpassen muss, indem es ihnen Sonderrechte und Privilegien gewährt.
Wenn wir nicht wachsamer sind, ist es wahrscheinlich, dass die europäische Gesellschaft stark verarmt, und all die hart erkämpften Errungenschaften und Freiheiten, soziale wie politische, in einer Orgie multikulturellen Liberalismus' verschleudert werden. Es könnte sogar die Gefahr bestehen, dass sich die europäischen Gesellschaften in religiöse und kulturelle Gettos aufspalten, jedes mit seinen eigenen Gesetzen. Zwei Dinge sollten wir dabei sorgfältig im Auge behalten: die Scharia und die Meinungsfreiheit.
Im Februar 2008 stellte der Erzbischof von Canterbury, Rowan Williams, zustimmend fest, dass „die Anwendung der Scharia unter bestimmten Umständen“ in Großbritannien „unvermeidbar“ sei. In mehreren Interviews ließ er keinen Zweifel daran, dass er die Vorstellung „ein Recht für alle“ gefährlich fand – ein Eckpfeiler der westlichen Zivilisation, Gleichheit vor dem Gesetz: eine Gefahr!
Im Juli 2008 sah der Oberste Richter von England und Wales, Lord Phillips, keinen Hinderungsgrund, in Streitfällen die Scharia als Grundlage einer Vermittlung einzusetzen.
In Großbritannien arbeiten heute bereits 85 Scharia-Gerichte, sie wenden islamisches Recht an, um häusliche, familiäre und geschäftliche Streitfälle zu lösen; viele dieser Gerichte sind in Moscheen angesiedelt. Dabei bedroht die pure Existenz der Scharia-Gerichte die Rechte und Freiheiten von Individuen und die Vorstellung von einem Rechtssystem, das auf Gesetzen beruht, die von gewählten Volksvertretern beschlossen wurden.
Solche Scharia-Gerichte sind ihrem Wesen nach sektiererisch, sie verschärfen die religiöse und soziale Spaltung der Gesellschaft, und sie erheben einige Muslime über das Recht, das der Rest der Gesellschaft befolgen und respektieren muss. Prinzipiell, versichern uns sorglose Regierungsvertreter, dürften solche Gerichte nicht gegen das Recht des Landes urteilen.
Aber einige der Entscheidungen solcher islamischer Tribunale werden bereits als rechtlich bindend angesehen, und sie könnten von Zivilgerichten in England und Wales bestätigt werden. Die Untersuchung eines führenden Think Tanks in London, Civitas, fand jüngst heraus, dass es unter diesen Entscheidungen solche gab, die illegale Handlungen beinhalteten und andere, die Menschenrechtsstandards britischer Gerichte missachteten.
Die Scharia ist totalitaristisch
Das islamische Recht beziehungsweise die Scharia, zum Teil aus dem Koran abgeleitet und aus den Taten und Worten des Propheten, wird als gottgegeben angesehen, als unveränderlich und unfehlbar. Das ist eine totalitäre Konstruktion, die darauf abzielt, jeden einzelnen Aspekt des Lebens eines Muslims zu kontrollieren, selbst eines Nicht-Muslims – und deshalb ist dies vollkommen unvereinbar mit westlichen, liberalen Demokratien und den Menschenrechten.
Das islamische Recht diskriminiert Frauen; sie dürfen nur die Hälfte dessen erben, was Männer erben; Männer dürfen Frauen schlagen; vor Gericht zählt die Aussage einer Frau nur halb so viel wie die eines Mannes; muslimische Frauen dürfen keine Nicht-Muslime heiraten; die Scharia schreibt bei Ehebruch Steinigung bis zum Tode vor; Amputation der Hände bei Diebstahl; Kreuzigung für den, der Unruhe stiftet; Homosexuelle und Apostaten gehören hingerichtet.
In anderen Worten: Muslime wollen Praktiken einführen, die wir im Westen vor vielen Jahren als barbarisch verworfen haben und die vor allem Frauen Menschenrechte verweigern. Das englische Recht, eines der Fundamente der britischen Gesellschaft, ist im Gegensatz zum festgeschriebenen islamischen Recht eng verbunden mit den Realitäten des menschlichen Lebens und Streitens und entwickelt sich deshalb immer weiter.
Radikaler Islam bedroht die Meinungsfreiheit
Eine der größten Errungenschaften der westlichen Zivilisation ist außerdem die Meinungs- und Redefreiheit. Auch sie wird bedroht durch die Forderungen des radikalen Islam. Die Freiheit, alles zu hinterfragen, ohne Tabus und politische Korrektheit, ist essenziell für sozialen, politischen, religiösen und wissenschaftlichen Fortschritt, um Irrtümer zu erkennen und näher zur Wahrheit vorzudringen. Deshalb ist Meinungsfreiheit für eine Demokratie unverzichtbar, sie ist ein Mittel, um die Exzesse jener zu korrigieren, die an der Macht sind, und um Vernunft in die öffentlichen Angelegenheiten zu bringen.
Vielen im Westen scheint entgangen zu sein, dass es schon beim Menschenrechtsrat in Genf den islamischen Staaten gelungen ist, Resolutionen durchzubringen, die das Wesen der Meinungsfreiheit unterminieren, ein Prinzip, das in Artikel 18 der allgemeinen Erklärung der Menschenrechte von 1948 festgeschrieben wurde. Die Scharia und den Islam zu kritisieren, ja sie nur zu erwähnen, ist künftig verboten.
Deswegen steht in dem Verfahren gegen den niederländischen Politiker und Islamkritiker Geert Wilders in Amsterdam die westliche Zivilisation selbst vor Gericht. Nicht nur wurde Wilders ein faires Verfahren verwehrt, indem man ihm nicht erlaubte, die von ihm gewünschten Zeugen zu hören – man hätte ihn überhaupt nicht vor Gericht stellen sollen. Wilders hat das Recht, den Islam zu kritisieren, und mit seiner Kritik weist er auf die barbarischen Aspekte des Korans hin, der Hass gegen Juden, Christen und andere Nicht-Muslime predigt. Wilders hat nichts erfunden, er gibt lediglich eine wahrheitsgemäße Darstellung des wahren Inhalts der heiligen Schrift der Muslime.
Oder anders gesagt: Er nimmt nicht nur sein Recht der freien Rede in Anspruch, Wilders sagt tatsächlich die Wahrheit, seine Vorwürfe gegen den Koran haben Substanz. Selbst viele Liberale im Westen beklagen oft das Fehlen einer Reformation im Islam, möchten aber paradoxerweise Menschen wie Geert Wilders, Ayaan Hirsi Ali, Salman Rushdie und Wafa Sultan keine volle Meinungsfreiheit zugestehen. Aber wie soll jemals eine Reformation oder besser: eine Aufklärung im Islam beginnen, ohne dass mal irgendjemand irgendwo diese am meisten kritikwürdige Religion und deren heilige Schrift kritisiert?
Der Islam braucht eine Aufklärung
Reformen im Islam hieße lediglich, Anpassungen und Modifikation an etwas vorzunehmen, das im Kern immer noch ein theologisches Konstrukt bliebe, sie würden eine immer noch theologisch entworfene und geordnete Gesellschaft zur Folge haben. Was wir brauchen, ist eine Bewegung der Aufklärung in der islamischen Welt und im islamischen Denken. Denn in der Geschichte Europas war die Aufklärung der dramatischste Schritt zu Säkularisierung und Rationalismus – mit nicht minder bedeutenden Folgen für die gesamte Welt.
Und das Werk, das mehr als jedes andere diese tief greifende Revolution der Menschheitsgeschichte bewirkt hat, ist Spinozas Tractatus theologico-politicus, veröffentlicht im Jahre 1670. Für Spinoza war die Bibel ein ausschließlich menschengemachter, säkularer Text und die Theologie keine unabhängige Quelle der Wahrheit. So wie die Bibelkritik die europäische Aufklärung einleitete, kann nur die Korankritik, die bisher so weit hinterherhinkt, zu einer islamischen Aufklärung führen.
Geert Wilders verdient Applaus, man sollte ihn als Helden feiern, nicht nur dafür, dass er die richtigen Schritte unternimmt, um Muslimen zu helfen, eine eigene Aufklärung zu schaffen, sondern auch für seinen mutigen Kampf zur Verteidigung der westlichen Werte. In den Worten von John Stuart Mill: „Ein Mensch, der nichts hat, für das er bereit wäre zu kämpfen, und dem nichts wichtiger ist als seine persönliche Sicherheit, ist eine armselige Kreatur ohne die Chance, frei zu sein; außer er wird es und bleibt es durch die Anstrengung jener, die größer sind als er selbst.“ Wilders ist weitaus größer als diejenigen, die ihn vor Gericht brachten und die kollektiv entschlossen zu sein scheinen, einen Selbstmord an ihrer Zivilisation zu verüben.
Der Autor
Ibn Warraq wurde 1946 im indischen Rajkot als Muslim geboren, wandte sich später aber vom Islam ab. Er studierte an der Universität Edinburgh beim Orientalisten William Montgomery Watt. Angesichts der schwachen Reaktionen westlicher Intellektueller auf die Todes-Fatwa gegen den Schriftsteller Salman Rushdie begann Warraq 1993 sein Buch „Warum ich kein Muslim bin“ (auf Deutsch bei Matthes & Seitz, Berlin, 2004).
Als es 1995 erschien, war er Professor für britische und amerikanische Kultur in Toulouse. Aus Sicherheitsgründen legte er sich das Pseudonym Ibn Warraq zu. Er gehört zu den Autoren des „Manifestes der 12“ gegen den Islamismus als „neue totalitäre Bedrohung“ von 2006, das u.a. Ayaan Hirsi Ali, Bernard-Henri Lévy, Irshad Manji, Taslima Nasreen und Salman Rushdie unterzeichneten.
(Übersetzung: Rainer Haubrich)
Quelle
Samstag, 6. Februar 2010
Der Streit um den Islam
Ein interessanter Artikel der Zeit über die in Deutschland herschende Islam-Debatte. Ich denke, die im Artikel so bezeichnete Dauerverdächtigung liegt vor allem daran, dass es kaum offizielle muslimische Verbände gibt, die sich ausdrücklich vom Islamismus distanzieren. Die muslimische Öffentlichkeit ist zu heterogen, für gemeinsame Stellungnahmen, was sehr bedauernswert ist. Ich habe im letzten Jahr eine Moschee der Ahmadiyya-Gemeinde besucht.
Diese versteht sich als ein Reformbewegung im Islam, die sich deutlich vom Islamismus distanziert, Frauen die gleichen Rechte wie Männern zuschreibt (, auch wenn die Gebetsräume immer noch getrennt sind und die Frauen aus freien Stücken ihr Kopftuch in der Moschee tragen) und für die Trennung von Staat und Religion ist. Der Dialog war sehr konstruktiv und der Sprecher der Gemeinde und ich sind insofern auf einen Nenner gekommen, dass Abschottung voneinander zu nichts führt und miteinander gesprochen werden muss.
Menschen mit islamischem Hintergrund sind ein Teil Deutschlands und es bringt niemandem etwas, wenn man aneinander vorbeilebt. Ich fordere sowohl Integrationswillen, wie auch die Anerkennung der deutschen Gesetze von den islamischen Menschen in diesem Land, aber ebenso von der Politik die Abschaffung der Hürden, die vor allem Jugendlichen mit Migrationshintergrund zu früh aus dem Bildungssystem aussiebt und auf das Abstellgleis Hauptschule verfrachtet. Die Integration wird erst gelingen, wenn sich in Deutschland ein islamisches Bildungsbürgertum entwickeln kann und sich niemand mehr auf Grund seiner Abstammung oder Religion benachteiligt fühlen kann.
Islamkritik
Der Streit um den Islam
Die Grenzen der Toleranz: Warum in der hysterisch geführten Debatte derzeit so viel Verwirrung herrscht
Wie viel öffentliche Dauerempörung braucht der Westen über einen gewalttätigen Islam, um als glaubwürdiger Verteidiger seiner Freiheiten zu gelten? War es schon ein Zeichen von gefährlichem Appeasement, dass der versuchte Anschlag auf den dänischen Mohammed-Karikaturisten eher resignativ hingenommen wurde – als etwas, das seit der berüchtigten Fatwa gegen Salman Rushdie zu den bekannten Bedrohungen gerechnet werden muss? Manche Zeitgenossen sehen den Westen so: auf dem Weg zu einer feigen Anpassung an eine kriegerische Religion, die langsam, aber sicher seine Freiheiten terroristisch untergraben wird.
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Man kann aber auch umgekehrt fragen: Wie viel Dauerverdächtigung einer Weltreligion, die neben dem Terror noch viele andere Gesichter hat, kann sich der Westen leisten, ohne seine Freiheiten selbst zu untergraben, zu denen schließlich auch die Religionsfreiheit gehört? Denn zu dem Angebot, das der Westen der Welt und die westlichen Staaten in ihren Verfassungen dem Bürger machen, gehört nun einmal, dass seine Freiheiten universell gelten sollen, nicht nur dem Angehörigen der eigenen, ursprünglich christlich geprägten Kultur, sondern jedem, der sich an Recht und Gesetze hält. Auch diese Position hat ihre erregten Verteidiger, die in der Dauerkritik am Islam eine Gefahr für die Integrationsfähigkeit des Westens sehen und übrigens auch für die Glaubwürdigkeit seiner Einladung an die Welt, die westlichen Freiheiten zu übernehmen.
Islam und Islamismus dürfen nicht verwechselt werden
Der Streit, der hierzulande unter anderem zwischen der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (Keine Feigheit vor dem Feind!) und der Süddeutschen Zeitung (Kein Feindbild schaffen!) tobt, ist vor allem ein Kampf der Befürchtungen: Was ist schlimmer, den Islam zu verharmlosen oder ihn zu verteufeln? Es liegt auf der Hand, dass der Streit auf dieser Ebene, die vor allem eine des persönlichen Lebensgefühls ist, nicht entschieden werden kann. Es liegt ebenfalls auf der Hand, dass man prominenten Islamkritikern wie Necla Kelek, die selbst der islamischen Welt entstammen, keine westliche Arroganz unterstellen kann. Sie verfügen über Kenntnisse und mitunter schreckliche Erfahrungen, gegenüber denen eine Haltung religiöser Toleranz einzuklagen seltsam unangemessen ist. Wenn sie meinen, dass der liberale Deutsche nicht einmal ahne, was sich in seiner Nachbarschaft unter islamischen Einwanderern abspiele, dann ist dies zunächst zu akzeptieren. Im Übrigen muss man nur in die Türkei reisen, um nicht nur von Kemalisten, sondern auch von aufgeklärten Gläubigen zu hören, wie bedrohlich sie ein Vordringen des Islamismus sehen.
Und schließlich: Gerade der offene Austausch solcher Befürchtungen ist der beste Beweis für die unangefochtene Praxis westlicher Meinungsfreiheit. Allerdings sollte die Debatte von Unterstellungen frei bleiben; keiner, der die Konstruktion eines islamischen Feindbildes fürchtet, hat jemals Sympathie für Gewalttäter geäußert oder gar die Bereitschaft zur vorauseilenden Unterwerfung unter die Scharia zu erkennen gegeben. Vielleicht empfiehlt es sich, die Internetseite »Achse des Guten«, die besonders großzügig mit solchen Unterstellungen arbeitet, aus der Debatte herauszuhalten. Sie hat sich eher als Achse des Bösen gezeigt. Sie ist nicht an Aufklärung interessiert, sondern will den Westen in eine dem Islamismus analoge Hassposition emporpeitschen. Indes: Die Barbarei mit den Mitteln der Barbarei zu bekämpfen ist keine Option für den Westen. Sie würde seinen Anspruch auf menschenfreundliche Überlegenheit ruinieren.
Die entscheidende Frage lautet: Wie viel Gleichsetzung des Islams mit dem Islamismus verträgt die Debatte? Man darf zwar den Verdacht hegen, dass dem Islam ein Keim zur gewalttätigen Entgrenzung innewohnt – aber man darf nicht jedem einzelnen Gläubigen die nämliche Tendenz unterstellen. Es widerspricht jedem Grundsatz unserer Verfassung, von Rechtsstaat und freiheitlichem Menschenbild, einem Individuum ohne Ansehen der Person eine kollektive Identität oder gar Kollektivverantwortung unterzuschieben. Einen Muslim allein schon seines Glaubens halber als potenziellen Attentäter zu betrachten entspricht der Haltung, mit der seinerzeit alle Sinti und Roma für Diebe gehalten wurden. Es ist die Logik des Rassismus.
Es ist ja auch glücklich die Zeit überwunden, in der protestantische Gesellschaften dazu neigten, jedem einzelnen Katholiken alle historischen Verfehlungen oder aktuellen Haltungen des Vatikans schuldhaft anzulasten. Übrigens ist der Katholizismus ein gutes Stichwort: Der amerikanische Religionssoziologe José Casanova hat kürzlich in einem Büchlein die Verwandtschaft zwischen aktueller Islamfeindlichkeit und historischer Katholikendiskriminierung vorgeführt. Alles, was heute dem Islam zugeschrieben wird – das autoritäre Menschenbild, die Demokratieuntauglichkeit, die Missachtung individueller Freiheit und die Unterdrückung der Frau –, wurde im Amerika des 19. Jahrhunderts den Katholiken zugeschrieben. Sie galten als Gefahr für Gesellschaft und Staat. Ihre Loyalität stand stets infrage, sie wurden verfolgt und diskriminiert. Das ging so, mit langsamer Abschwächung, bis in die fünfziger Jahre des 20. Jahrhunderts.
Unabhängig davon, ob die antikatholischen Verdächtigungen jemals zu Recht bestanden, zeigt das Beispiel vor allem eines: dass sich das Bild einer Konfession im Laufe der Zeit wandelt. Nichts ist für ewig. Einmal unterstellt, wir hätten ein Interesse daran, dass sich der Islam unserer Gesellschaft, unserer Demokratie, unseren Vorstellungen von Geschlechtergleichheit anpassen möge – und wir wären gut beraten, dieses Interesse zu haben –, dann sollten wir nicht versuchen, den Islam auf ein unwandelbar autoritäres Erscheinungsbild festzulegen. Wir sollten im Gegenteil nach den besonderen aktuellen Bedingungen forschen, unter denen er noch oder vielleicht gerade jetzt Gewalt freisetzt.
Das heißt: Wir müssen den Islam verstehen. Nichts ist törichter, als die Verweigerung von Verständnis für einen Ausweis von Stärke zu halten oder für eine Bedingung der kämpferischen Verteidigung des Westens. Wenn es etwas gibt, womit der Westen stets seine Stärke bewiesen hat, dann in der Fähigkeit, auch zu Zeiten der Bedrohung das Fremde analytisch durchleuchten zu können. Mit Angst ist keine Überlegenheit zu demonstrieren.
Das heißt aber nicht: Toleranz gegenüber der Intoleranz zu zeigen. Wir müssen und dürfen keine Verstöße gegen unsere Rechtsordnung dulden und auch nicht das Ausgreifen einer Religion auf Felder der Öffentlichkeit, das über das Maß hinausgeht, das anderen Religionen auch zugebilligt wird. Wo Kirchen sind, dürfen auch Moscheen sein. Aber wo Kruzifixe nicht hängen sollen, kann auch kein Kopftuch getragen werden.
Es mag schon sein, das diese oder andere unserer Selbstverständlichkeiten (so auch das Verbot von Zwangsheiraten und dergleichen) dem Islam, zumindest in der Auslegung mancher Muslime, zuwiderlaufen. Aber das sollte uns nicht zu einem Generalverdacht gegen ihre Religion verleiten oder gar zu dem Wunsch, muslimische Einwanderer hinauszuekeln. Jedoch: Sollte sich der eine oder andere durch unsere Gesellschaftsordnung in seiner Glaubenspraxis empfindlich behindert fühlen, bleibt es ihm unbenommen, ein anderes Land zu suchen. Auch dies ist die Freiheit des Westens.
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